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Der Staat gegen Fritz Bauer (2015)

Die Heimatlosen/Fritz Bauer

Deutsches Geschichtsdrama: Im Nachkriegsdeutschland der 1950er bemüht sich der Generalstaatsanwalt Fritz Bauer die Verbrechen der Nazi-Diktatur aufzuarbeiten.Kritiker-Film-Bewertung: unterirdischschlechtmittelmässiggutweltklasse 4 / 5
User-Film-Bewertung [?]: unterirdischschlechtmittelmässiggutweltklasse 3.0 / 5

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Morddrohungen, feindlich gesinnte Kollegen sowie machtlose Vorgesetzte gehören für den Generalstaatsanwalt Fritz Bauer zum Berufsalltag. Während die deutsche Bundesrepublik unter Adenauers Regierung wirtschaftlich erblüht und sich mit allen Mitteln bemüht, das Bild des Deutschen im Ausland zu sanieren, kämpft Bauer unbeirrt für eine umfassende juristische Aufarbeitung der Verbrechen durch die Nationalsozialisten. Eine Spur aus Argentinien führt ihn schließlich auf die Fährte des gesuchten SS-Obersturmbannführers Adolf Eichmann, der unter falschem Namen in Buenos Aires leben soll. Doch der deutsche Staat hat kein sonderlich großes Interesse an einer Ergreifung Eichmanns und den Konsequenzen, die ein Prozess mit sich bringen würde: Denn das gesamte politische System ist auch mehr als ein Jahrzehnt nach dem Untergang des NS-Regimes von ehemaligen Nazis durchsetzt, die ihre Macht erhalten wollen. Gemeinsam mit seinem Mitarbeiter Karl Angermann greift Bauer zu ungewöhnlichen Mitteln und verstrickt sich dabei in ein moralisches Geflecht aus Lügen und Denunziationen.

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Filmkritikunterirdischschlechtmittelmässiggutweltklasse4 / 5

Nachdem Fritz Bauer im letzten Jahr bereits als Nebenfigur in Giulio Ricciarellis "Im Labyrinth des Schweigens" auftrat, rückt Regisseur und Drehbuchautor Lars Kraume den Generalstaatsanwalt nun in den Fokus eines Geschichtsdramas. Im direkten Vergleich zu Ricciarellis ebenso biederem wie banalen Film erweist sich "Der Staat gegen Fritz Bauer" dabei in jeder Hinsicht als überlegen. Das beginnt bei dem überzeugenden Produktionsdesign, das hier nicht bloß als Staffage dient, sondern Erfahrungsräume und Sinnwelten eröffnet, die recht klischeefrei und authentisch vom Leben in der BRD der 1950er zeugen.

Ebenso um Glaubwürdigkeit und Akkuratesse ist Burghart Klaußners Darstellung bemüht: Wo Gert Voss mit seiner Performance in "Im Labyrinth des Schweigens" Fritz Bauer zum austauschbaren Stichwortgeber machte, da erschafft Klaußner mit Hilfe der Maskenbildner einen charismatischen Charakterkopf. Knurrend, mit lakonischem Humor und von einer spürbaren körperlichen Schwere ist Bauer hier das unbeirrbare Gravitationszentrum des Films, das Anhänger und Gegner gleichermaßen um sich scharrt, aber garantiert niemanden kalt lässt.

Kraumes Drehbuch spendiert Klaußner zudem einige der schönsten Dialogzeilen und gibt sich hierbei erstaunlich witzig. Der gesellschaftliche Auftrag und der manchmal etwas behäbige Ernst, den Relevanzkino wie dieses mit sich bringt, scheinen zwar immer wieder durch, aber dennoch bewahrt sich die Produktion abseits vom Pädagogischen einen gewissen Eigensinn sowie ein feines Gespür fürs Filmische. Wenn traurige Jazztrompeten durch das Wirtschaftswunderland tönen und zwischen dunklen Gassen die Neonschilder der Nachtklubs leuchten, wähnt man sich bisweilen in einem klassischen Film noir. Dass die Schurken in dieser Geschichte wirken, als seien sie einem Comicheft entsprungen, ist da nur als stimmig zu bewerten.

Fazit: Anhand eines überzeugenden Produktionsdesigns sowie einem stimmigen Jazz-Soundtracks führt Filmemacher Lars Kraume in die Bundesrepublik der 1950er. Vor diesem zeitgeschichtlichen Hintergrund darf vor allem Hauptdarsteller Burghart Klaußner glänzen, der stets im Fokus dieses an den Film noir gemahnenden Dramas steht.




FBW-BewertungJurybegründung anzeigen

FBW: besonders wertvollLars Kraumes Film bewegt sich zwischen Politthriller und Zeitdokument der deutschen Nachkriegszeit. Die Ereignisse um den Generalstaatsanwalt Fritz Bauer und sein Engagement für die Ergreifung Adolf Eichmanns durch den israelischen Geheimdienst [...mehr]

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Filminfos & CreditsAlles anzeigen

Land: Deutschland
Jahr: 2015
Genre: Drama
Länge: 105 Minuten
Kinostart: 01.10.2015
Regie: Lars Kraume
Darsteller: Burghart Klaußner als Generalstaatsanwalt Fritz Bauer, Ronald Zehrfeld als Staatsanwalt Karl Angermann, Robert Atzorn als Charlottes Vater
Verleih: Alamode Film, Die FILMAgentinnen

ZusatzinformationAlles anzeigen

Lars Kraumes intensives Panorama der deutschen Nachkriegszeit begeisterte das Publikum auf dem 68. Festival del film Locarno nachhaltig. Dank der brillanten Darstellerleistung von Burghart Klaußner [...mehr] als resoluter Staatsanwalt, einem einzigartigen Ensemble rund um Ronald Zehrfeld, Sebastian Blomberg und Jörg Schüttauf sowie einer packenden, dichten Inszenierung, sorgte DER STAAT GEGEN FRITZ BAUER für einen Höhepunkt auf einem der wichtigsten Publikumsfestivals weltweit. Der Verleih Alamode Film und Geschäftsführer Fabien Arséguel teilen die einhellige Begeisterung: "Wir gratulieren Lars Kraume und seinem Team ganz herzlich zu diesem großartigen Erfolg! Diese starke Publikumsreaktion freut uns besonders hinsichtlich des deutschen Kinostarts. Das gibt uns allen Grund zur Hoffnung, dass die deutschen Kinogänger den Film genauso begeistert aufnehmen werden, wenn der Film am 1. Oktober in die Kinos kommt."

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