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Der Staat gegen Fritz Bauer
Der Staat gegen Fritz Bauer
© Alamode Film © Die FILMAgentinnen

Kritik: Der Staat gegen Fritz Bauer (2015)

Kritiker-Bewertung: unterirdischschlechtmittelmässiggutweltklasse 4 / 5

Nachdem Fritz Bauer im letzten Jahr bereits als Nebenfigur in Giulio Ricciarellis "Im Labyrinth des Schweigens" auftrat, rückt Regisseur und Drehbuchautor Lars Kraume den Generalstaatsanwalt nun in den Fokus eines Geschichtsdramas. Im direkten Vergleich zu Ricciarellis ebenso biederem wie banalen Film erweist sich "Der Staat gegen Fritz Bauer" dabei in jeder Hinsicht als überlegen. Das beginnt bei dem überzeugenden Produktionsdesign, das hier nicht bloß als Staffage dient, sondern Erfahrungsräume und Sinnwelten eröffnet, die recht klischeefrei und authentisch vom Leben in der BRD der 1950er zeugen.

Ebenso um Glaubwürdigkeit und Akkuratesse ist Burghart Klaußners Darstellung bemüht: Wo Gert Voss mit seiner Performance in "Im Labyrinth des Schweigens" Fritz Bauer zum austauschbaren Stichwortgeber machte, da erschafft Klaußner mit Hilfe der Maskenbildner einen charismatischen Charakterkopf. Knurrend, mit lakonischem Humor und von einer spürbaren körperlichen Schwere ist Bauer hier das unbeirrbare Gravitationszentrum des Films, das Anhänger und Gegner gleichermaßen um sich scharrt, aber garantiert niemanden kalt lässt.

Kraumes Drehbuch spendiert Klaußner zudem einige der schönsten Dialogzeilen und gibt sich hierbei erstaunlich witzig. Der gesellschaftliche Auftrag und der manchmal etwas behäbige Ernst, den Relevanzkino wie dieses mit sich bringt, scheinen zwar immer wieder durch, aber dennoch bewahrt sich die Produktion abseits vom Pädagogischen einen gewissen Eigensinn sowie ein feines Gespür fürs Filmische. Wenn traurige Jazztrompeten durch das Wirtschaftswunderland tönen und zwischen dunklen Gassen die Neonschilder der Nachtklubs leuchten, wähnt man sich bisweilen in einem klassischen Film noir. Dass die Schurken in dieser Geschichte wirken, als seien sie einem Comicheft entsprungen, ist da nur als stimmig zu bewerten.

Fazit: Anhand eines überzeugenden Produktionsdesigns sowie einem stimmigen Jazz-Soundtracks führt Filmemacher Lars Kraume in die Bundesrepublik der 1950er. Vor diesem zeitgeschichtlichen Hintergrund darf vor allem Hauptdarsteller Burghart Klaußner glänzen, der stets im Fokus dieses an den Film noir gemahnenden Dramas steht.





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