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Grüße aus Fukushima
Grüße aus Fukushima
© 20th Century Fox © Majestic Filmverleih GmbH

Kritik: Grüße aus Fukushima (2016)

Kritiker-Bewertung: unterirdischschlechtmittelmässiggutweltklasse 3 / 5

"Grüße aus Fukushima" ist nicht der erste Film, den die erfolgreichste deutsche Regisseurin, Doris Dörrie, in Japan gedreht hat und sich intensiv mit den Eigenheiten der Japaner und deren spiritueller Sicht auf die Dinge befasst. Bereits vor knapp 25 Jahren reiste Dörrie in das ostasiatische Land, um dort ihr Werk "Erleuchtung garantiert" zu inszenieren. Einen Riesenerfolg war ihr mit der Tragikomödie "Kirschblüten – Hanami" (2008) beschieden, in der Elmar Wepper mit der Hilfe einer jungen Japanerin wieder zu innerem Frieden und Ausgleich fand. Nachdem Dörrie zuletzt eine Doku über weibliche Mariachi in Mexiko drehte, kehrt sie nun wieder mit einer fiktiven Handlung auf die große Leinwand zurück. Hauptdarstellerin Rosalie Thomass – bekannt vor allem durch die "Beste"-Trilogie von Marcus H. Rosenmüller – erhielt für ihre Leistung den Bayerischen Filmpreis.

"Grüße aus Fukushima" kommt zu keiner Zeit an die Qualität und den leisen, warmen Humor von "Kirschblüten – Hanami" heran. Um an den "Japan"-Vorgänger mit Elmar Wepper heranzureichen, wäre eine subtilere Inszenierungsweise durch Dörrie von Nöten gewesen, heißt: viele Szenen und Momente wirken hier zu gewollt, gestellt und dadurch wenig glaubwürdig. Dennoch funktioniert der Film als melancholischer, in kunstvolles Schwarz-weiß-getauchter Seelenstrip zweier gänzlich verschiedener Frauen aber durchaus gut. Viele Spannungsmomente und nicht zuletzt auch etliche heitere Szenen zum Schmunzeln ergeben sich aus der Unterschiedlichkeit der beiden Frauen. Die eine, Marie, ist eher laut, direkt und hält wenig von Übernatürlichem, die andere, Satomi, eher introvertiert, verkopft und mit der Welt der Geister vertraut.

Beide aber teilen eine wesentliche Gemeinsamkeit: sie beide haben eminent wichtige Dinge in der Vergangenheit verloren, Marie ihren Verlobten und Satomi ihr geliebtes Zuhause. Die eine selbst verschuldet, die andere als Opfer der Naturgewalten. Allmählich nähern sich die beiden Frauen im Haus der ehemaligen Geisha aber einander an und es kommt oft zu intimen, berührenden Momenten. Die Tragik über den Verlust des Hauses durch das Erdbeben fängt Dörrie in nachdrücklichen Aufnahmen ein, wenn sie die Trauer durch die Erinnerungen an die Katastrophe und - aufgrund dessen - das schmerzverzerrte Gesicht der alten Japanerin zeigt und groß ins Bild rückt. Zwischendurch bleibt aber eben auch Zeit zum Lachen, etwa wenn Marie zu Beginn noch so ihre Probleme mit den für sie so ungewohnten japanischen Traditionen und Verhaltensregeln, z.B. zu Tisch, hat. Am Ende können Beide voneinander lernen und profitieren. Darstellerisch ist der Film voll auf der Höhe. Vor allem die charismatische, sympathische Rosalie Thomass ist es, die mit ihrer ausgewogenen, sanften Performance überzeugt. Der 28-jährigen Münchnerin könnte die Zukunft gehören.

Fazit: Metaphysisches, melancholisches Selbstfindungsdrama in kunstvollem Schwarz-Weiß, dem eine subtilere Inszenierung gut getan hätte.





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