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Kritik: Boston (2016)

Kritiker-Bewertung: unterirdischschlechtmittelmässiggutweltklasse 3 / 5

"Boston" ist nach "Lone Survivor" (2013) und "Deepwater Horizon" (2016) die dritte Zusammenarbeit zwischen dem Filmemacher Peter Berg und dem Schauspieler Mark Wahlberg. Alle drei Werke können dem Genre des (Action-)Thrillers zugeordnet werden und weisen Drama-Elemente auf; zudem basieren alle drei auf wahren Begebenheiten. Bemerkenswert an der neusten Kollaboration des Duos ist zum einen die Zeichnung des Protagonisten – und zum anderen dessen Position in der Handlung: Während Wahlberg in den beiden Vorgängerfilmen Männer mit realen Vorbildern verkörperte, die als klassische Helden in Szene gesetzt wurden, fungiert der fiktive Polizist Tommy Saunders in "Boston" lediglich als Bindeglied zwischen den verschiedenen Ereignissen, zu denen es am 15. April 2013 und an den Folgetagen in der Hauptstadt von Massachusetts kam. Zwar vermag sich Saunders etwa durch seine genaue Kenntnis der Umgebung in die FBI-Ermittlungen einzubringen; er wird jedoch bei seinem Einsatz während und nach dem Bomben-Anschlag sowie im Vorfeld und bei der Fahndung und Festnahme der Täter nicht auf heroische Weise, sondern als emotionaler, extrem bestürzter Mensch gezeigt.

Mit der Exposition, in welcher diverse Figuren kurz vorgestellt werden, und der Fokussierung auf einige Betroffene – darunter zwei junge Liebende, die verletzt und zunächst voneinander getrennt werden – folgt das Drehbuch von Berg, Matt Cook und Joshua Zetumer den dramaturgischen Katastrophenfilm-Konventionen, die sich seit den 1970er Jahren durch Produktionen wie "Flammendes Inferno" etabliert haben. In der Umsetzung begeht Berg indes nicht den Fehler, den realen Fall für spektakuläre Momente auszubeuten und das Geschehen zu ästhetisieren. Der Sprengstoffanschlag wird ebenso glaubhaft eingefangen wie die mit umfangreicher Datenauswertung verbundene Arbeit der Ermittlungsteams – wenn zum Beispiel in der Gruppe diskutiert wird, ob die Fahndungsbilder der beiden Tatverdächtigen veröffentlicht werden sollen. Auch wird im Skript und der Darstellung des verantwortlichen Brüderpaares nicht versucht, die Motivation hinter der Tat gänzlich zu erklären. Überaus eindrücklich und beklemmend ist eine Verhörsequenz zwischen Melissa Benoist (der Hauptakteurin aus der Serie "Supergirl") als Frau des älteren Bruders und Khandi Alexander ("CSI: Miami") als Vernehmende.

Mark Wahlberg liefert eine solide Leistung; Gleiches gilt für Michelle Monaghan als Tommys Ehefrau Carol sowie für die in Nebenparts (mit echten Vorbildern) agierenden Schauspielveteranen John Goodman, J.K. Simmons und Kevin Bacon. Gelungen ist überdies die musikalische Gestaltung durch Trent Reznor und Atticus Ross. Das gute Handwerk vor und hinter der Kamera trägt dazu bei, dass "Boston" nie in die Katastrophen-Exploitation abdriftet.

Fazit: Ein Film nach realem Ereignis, der seine erfundene Hauptfigur nutzt, um einen erzählerischen Bogen zu schlagen. Übertriebenes Heldentum wird ebenso vermieden wie eine Ausschlachtung der Vorfälle.




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