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Kritik: Logan - The Wolverine (2017)

Kritiker-Bewertung: unterirdischschlechtmittelmässiggutweltklasse 4 / 5

Die Figur des Wolverine nimmt im X-Men-Universum seit jeher eine Sonderstellung ein. Zu all den klugen und edlen Mutanten bildet der Mann mit dem Metallskelett und den Selbstheilungskräften das animalische, impulsive, und stets etwas zu unvernünftige Gegengewicht. Dementsprechend ließen Wolverines filmische Einzelauftritte die Moral und Ironie der Hauptreihe größtenteils vermissen, kamen deutlich rauer und inszenatorisch grobschlächtiger daher. Überzeugt hat weder Gavin Hoods "X-Men Origins: Wolverine" (2009) noch James Mangolds "Wolverine: Weg des Kriegers" (2013), was neben viel zu flachen Geschichten und Figuren auch an der zu braven Action lag, die zur düsteren Grundstimmung der Filme nicht so recht passen wollte.

Zum Abschluss der "Wolverine"-Trilogie geht Regisseur und Koautor James Mangold keine Kompromisse ein. "Logan: The Wolverine" ist nach "Deadpool" (2015) erst der zweite Film der Reihe, der in den USA ein R-Rating und erst der dritte, der in Deutschland eine Freigabe ab 16 Jahren erhält. Deutlich brutaler geht es zur Sache. Hat sich die Titelfigur erst einmal in Rage gekämpft, rollen Gliedmaßen und Köpfe, werden Körper mit Krallen penetriert oder von schwerem Gerät aufgespießt. Das ist umso perfider mitanzusehen, als in diesem Gemetzel mit der jungen Laura (Dafne Keen) auch ein kleines, zunächst unscheinbares Mädchen kräftig mitmischt.

Der dritte und letzte Solofilm mit Hugh Jackman wirft einen pessimistischen Blick auf die USA. Obwohl zwölf Jahre in der Zukunft, unterscheidet sich das Land nur unmerklich von der Gegenwart der Kinobesucher. Es ist ein Land der Kontraste, in dem einfache, ehrliche Farmer gegen skrupellose Großkonzerne kämpfen. Eine Welt, in der der greise Professor Xavier (Patrick Stewart) und der gealterte und vewundbare Titelheld keinen Platz mehr haben und sich dessen bewusst sind. Und nicht zuletzt eine Welt, in der selbst die Grundwerte einer Familie – ob die einer echten oder die der zusammengewürfelten Xavier, Logan und Laura – gegen die Amoral der Mächtigen ohnmächtig erscheinen. Eine Ahnung des nahenden Endes durchströmt Mangolds Film von den staubigen, bräunlichen Bildern bis zur Musik, die zur Action wiederholt dissonante Kontrapunkte setzt. Mangolds Figuren haben nichts mehr zu verlieren und stürzen sich in jeden Kampf, als wäre es ihr letzter.

Der Regisseur begeht dabei nicht den Fehler, mit der Superheldenkonkurrenz aus den Häusern Disney, Warner oder dem eigenen Haus mithalten zu wollen. Statt auf Weltungergangsszenarien mit Dauerbeschuss setzt er seinem Publikum wohl dosierte Action vor. Die ist durchaus sehenswert, wenn Professor Xaviers erkranktes Hirn während eines Anfalls die nähere Umgebung und damit das Filmbild erschüttert und sich Logan in Zeitlupe seinen Weg durch diese Vibrationen bahnt. Den Rest der mehr als zwei Stunden Laufzeit nutzt Mangold dazu, Logans und Professor Xaviers Leben und Vermächtnis einem würdevollen Ende entgegenzuführen. So viel weichen Kern unter Logans harter Schale haben die Zuschauer selten gesehen.

Fazit: Regisseur und Koautor James Mangold gelingt ein würdiger Abschluss der "Wolverine"-Trilogie mit Hauptdarsteller Hugh Jackman. Für einen Film aus der "X-Men"-Reihe fällt die Mischung aus Action, Science-Fiction, Roadmovie und Drama erstaunlich düster, ernst und fatalistisch aus.





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