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Kritik: Scooby! (2020)

Kritiker-Bewertung: unterirdischschlechtmittelmässiggutweltklasse 2 / 5

Die Abenteuer rund um Scooby-Do und seine Freunde zählen zu den beliebtesten und langlebigsten der TV- und Zeichentrickgeschichte. Produziert wurde die Originalserie ab den späten 60er-Jahren von Hanna-Barbera. 2002 kam der erste Realfilm in die Kinos, zwei Jahre später folgte die Fortsetzung (die Filme spielten über 450 Millionen US-Dollar ein). Bis heute gab es zudem zahlreiche TV-Specials, Videofilme und Direct-to-DVD-Produktionen.

Regisseur Tony Cervone kreiert im ersten Drittel seines abendfüllenden Animationsfilms eine wunderbare Mischung aus nostalgischer und charmanter Verbeugung vor der legendären Serie. So zeigt er in einem Rückblick zunächst die Anfänge der (blutjungen) "Mystery Inc."-Agenten und präsentiert in wahrlich niedlichen sowie kindgerechten Szenen, wie aus Scooby und Shaggy die besten Freunde wurden (für Erwachsene dürfte dabei lediglich der Kitschfaktor etwas hoch sein). Und in einem ersten zu lösenden, gleich auf Anhieb äußerst mysteriösen Fall entdecken Kenner der Serie wenig später all jene Elemente und Versatzstücke des Originals.

Danach aber entwickelt sich der Film zu einem heillosen Durcheinander: einem unausgegorenen, überfrachteten Sammelsurium an Schurken, Superhelden, Seitensträngen und Nebenschauplätzen, eingebettet in eine wenig mitreißende, zu weiten Teilen im Weltall angesiedelte Handlung. Außerdem geraten die eigentlichen Hauptcharaktere (die vier charismatischen Detektive und ihr gefräßiger Hund) im weiteren Verlauf zunehmend aus dem Blickfeld. Stattdessen reichert Cervone sein Werk mit einer Fülle an – menschlichen, tierischen, extraterrestrischen und roboterartigen – Wesen und Protagonisten aus dem Hanna-Barbera-Universum an, wodurch Konfusion und Verwirrung entstehen. Die jüngeren Betrachter könnten sich dadurch überfordert fühlen.

Für amerikanische Kinobesucher mag das noch Sinn ergeben, für deutsche eher weniger. Denn zu vielen der auftretenden Comic- und Zeichentrick-Charaktere werden die Zuschauer hierzulande überhaupt keinen Bezug haben. Entweder weil sie zu unbekannt sind oder nie auf deutschen Mattscheiben zu sehen waren. Dazu zählen der Antagonist Dick Dastardly oder auch der Steinzeitmensch Captain Caveman.

Fazit: Überbordender, unsauber ausgearbeiteter und reizüberflutender Versuch der Wiederbelebung einer kultigen Zeichentrick-Serie, dem nach gelungenem Auftakt die Puste ausgeht.




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