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Kritik: SMS für Dich (2015)

Kritiker-Bewertung: unterirdischschlechtmittelmässiggutweltklasse 4 / 5

Die 1984 geborene Karoline Herfurth hat in zahlreichen Werken ihre hohe Begabung für die Schauspielkunst bewiesen; "Große Mädchen weinen nicht", "Vincent will Meer" und "Wir sind die Nacht" sind nur einige wenige Demonstrationen ihrer Vielseitigkeit. Sie kann urkomisch sein (wie in den "Fack ju Göhte"-Filmen), sie vermag kleine B-movies mit ihrer Präsenz zum Leuchten zu bringen (sehenswert: "Errors of the Human Body") und sie schafft es, die komplizierten Innenwelten anspruchsvoller Figuren eindrücklich zu vermitteln (etwa in Caroline Links "Im Winter ein Jahr"). Auch in "SMS für dich" ist Herfurths Ausstrahlung umwerfend: Es gelingt der Hauptdarstellerin, die anhaltende Trauer der Protagonistin Clara mimisch und gestisch begreifbar zu machen und zugleich zu zeigen, dass Clara den festen Willen hat, ins Leben zurückzukehren. Die Bemühungen, eine neue Liebe zuzulassen und auch beruflich wieder Antrieb zu finden, werden von Herfurths feinfühliger Interpretation der Rolle beglaubigt, sodass ein aufrichtiges Porträt einer fragilen und dennoch starken Frau entsteht.

Doch damit nicht genug: Herfurth hat bei der Adaption des gleichnamigen Sofie-Cramer-Romans auch am Drehbuch mitgeschrieben und Regie geführt. In beiden Fällen weiß das Ergebnis zu überzeugen. Das Skript zeichnet sich durch kluge, witzige Dialoge aus; die Inszenierung lässt eine Leidenschaft für romantische Komödien wie "Schlaflos in Seattle" oder "e-m@il für Dich" erkennen, ist jedoch mehr als eine Kopie dieser Vorbilder. Mit dem Kameramann Andreas Berger, mit dem Herfurth als Schauspielerin schon oft zusammengearbeitet hat, fängt Herfurth den Handlungsort Berlin einerseits als märchenhafte Kulisse ein, entdeckt andererseits aber auch die lokalen Besonderheiten der deutschen Hauptstadt und nutzt diese, um dem Schauplatz etwas ganz Eigenes zu verleihen. Claras urige Stammkneipe "Gockel" ist ein schönes Beispiel dieser treffenden Berlin-Atmosphäre. Romantik wird – etwa in einer Dampferfahrt-Passage – heraufbeschworen, Kitsch indes weitgehend vermieden.

Bemerkenswert sind überdies die Schauspielführung sowie die Chemie zwischen sämtlichen Cast-Mitgliedern. Zwischen Herfurth und Nora Tschirner als Freundinnen-Duo herrscht von Anbeginn eine Vertrautheit, die in vielen Szenen noch vertieft wird. Gemeinsam mit Friedrich Mücke bildet die Hauptakteurin ein Paar, dem man als Zuschauer_in das Beste wünscht. Und Frederick Lau kann als Mückes sidekick abermals sein humoristisches Talent zum Einsatz bringen. In Gastauftritten glänzen Katja Riemann als esoterisch veranlagte Schlagersängerin und Cordula Stratmann als launenhafte Verlegerin.

Fazit: Sowohl vor als auch hinter der Kamera zeigt Karoline Herfurth eine reife Leistung. Ihr Regiedebüt steht in der Tradition von US-RomComs und hat doch einen eigenen Charme – nicht zuletzt dank des harmonisch aufspielenden Ensembles.




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