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Kritik: Verschwörung (2017)

Kritiker-Bewertung: unterirdischschlechtmittelmässiggutweltklasse 3 / 5

Im Gegensatz zu den Büchern der Millennium-Trilogie wurde "Verschwörung" nicht von Stieg Larsson sondern vom schwedischen Journalisten David Lagercrantz geschrieben. Als vierter Teil und Fortsetzung der Millennium-Trilogie erschien das Buch 2015. "Verschwörung" wurde Anfang 2018 im Studio Babelsberg, Berlin, Hamburg und Stockholm gedreht. Die Produktionskosten lagen bei rund 45 Millionen US-Dollar. Regie führte der urugayische Drehbuchautor und Regisseur Fede Alvarez. Bekannt wurde er mit den Horrorfilmen "Evil Dead" und "Don’t Breathe".

Aus der tiefgründigen, wütenden und punkigen Anti-Heldin Lisbeth Salander wird in "Verschwörung" eine Art weiblicher James Bond: Eine unbesiegbare Superheldin, die mit Intelligenz, Ausdauer, Kraft und technischem Verständnis besticht. Diese Weiterentwicklung der Figur ist einerseits positiv, da sich Alvarez somit nicht auf dem Erfolg der Ursprungsfilme ausruht und neue Wege bestreitet. Gleichzeitig ist die Stilisierung der weiblichen Hauptfigur zur glattgebügelten Hollywood-Action-Ikone aber auch das größte Problem von "Verschwörung". Denn so verkommt der ursprünglich komplexe und vielschichtige Charakter zu einer eindimensionalen Figur, der einfach alles gelingt – das mindert die Authentizität des Gezeigten enorm.

Die Anleihen an 007 zeigen sich bereits beim gelackten Hochglanzvorspann und setzen sich im weiteren Verlauf konsequent fort. Da wären zum einen die vielen technischen Gimmicks und Gadgets, die Salander allesamt spielerisch beherrscht. Ebenso geht sie aus jeder Verfolgungsjagd als Gewinnerin hervor, erweist sich als Hacker-Großmeisterin, die jedes (digitale) Problem löst und vernascht hier und da schon mal eine blonde Schönheit. Allerdings: Trotz aller Eindimensionalität und Konformität überzeugt Claire Foy als berühmte Hackerin mit dem Drachentattoo.

Schon optisch wirkt sie mit ihrem Kurzhaarschnitt, dem schwermütig-durchdringenden Blick und ihrem blassen Teint als von ihren traumatischen Kindheitserfahrungen belastete Salander sehr glaubwürdig. Glaubwürdigkeit trifft als Attribut auf die vielen Actionszenen nun wahrlich nicht zu, dennoch machen die rasanten, regelrecht elektrisierenden Action-Momente einen großen Reiz aus. Zu den Höhepunkten zählen eine toll gefilmte, über einen zugefrorenen See führende Verfolgungsjagd sowie eine fulminante Explosion in der Wohnung von Salander. Mit Sylvia Hoeks verfügt "Verschwörung" zudem über eine charismatische, mysteriös auftretende Nebendarstellerin, die Salanders Gegenspielerin eine gehörige Portion Durchtriebenheit verleiht.

Fazit: Obwohl die Zeichnung der Hauptfigur als unbezwingbare Action-Amazone fragwürdig erscheint, gelingt Fede Alvarez mit "Verschwörung" ein leicht überdurchschnittlicher Action-Thriller mit pulsierender Action und überzeugenden Darstellern.




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