VG-Wort
Die Domain Spielfilm.de verwendet Cookies für funktionale und analytische Zwecke. Durch die Nutzung unserer Seite erklärst Du Dich damit einverstanden. Weitere Cookie-Informationen findest Du hier.

Ok, einverstanden!

oder

Kritik: 24 Wochen (2016)

Kritiker-Bewertung: unterirdischschlechtmittelmässiggutweltklasse 5 / 5

Ein hochsensibles Thema, getragen von den großartigen Darstellern Julia Jentsch und Bjarne Mädel und von Regisseurin und Drehbuchautorin Anne Zohra Berrached so feinfühlig wie möglich und so drastisch wie nötig auf die Leinwand gebannt. Besser kann man eine solche Handlung wohl nicht ins Kino bringen.

Sicherlich gibt es da den vielleicht etwas feigen Kniff, dass das Drehbuch auf die erkannte Trisomie 21 noch eine schwere Herzerkrankung bei Astrid's Baby draufpackt, die eine komplizierte Operation notwendig machen würde. Ein wenig kann man das als Handreichen des Films Richtung Publikum verstehen, nach dem Motto: Wenn es so dicke kommt, muss man sich ja nicht wundern...wenn die Mutter dann doch lieber abtreiben möchte.

Aber das ist der einzige kleine Einwand gegen einen Film, der sonst keinen Schritt falsch setzt. Die Dialoge klingen echt, nicht gestelzt - so reden Menschen miteinander, Familienmitglieder, Freunde, Kinder, Eltern, Oma. Berrached kann die innere Spannung hochhalten, ohne auf konstruierte Situationen zurückzugreifen. Das Mitfiebern gilt den Figuren und den Entscheidungen, die sie zu treffen haben. Egal, wie sie sich entscheiden, dem Zuschauer wird klar, dass die Konsequenzen so oder so schwer wiegend sein werden und vor allem unumkehrbar.

Das Drehbuch konzentriert sich dabei ganz auf Mutter und Vater und hebt auf keine philosophischen oder religiösen Debatten ab über das Recht oder Unrecht, ein ungeborenes Leben zu töten. Diese Fokussierung tut dem Film gut und sie findet ihre packenden Höhepunkte in den Szenen mit Ärzten, Krankenhauspersonal und der Hebamme. Diese werden von keinen Schauspielern gemimt, sondern sind in ihrem jeweiligen Berufsstand auch als Berater der Produktion angestellt gewesen. Der Austausch zwischen Astrid und der Hebamme wirkt so realistisch und herzzerreißend, wie es nur denkbar ist.

"24 Wochen" ist der Beweis, dass das deutsche Kino mehr zu bieten hat als Komödien und es mit Anne Zohra Berrached auch Filmemacher gibt, die ein sehr delikates Thema angemessen taktvoll und dennoch fesselnd zu inszenieren vermögen.

Fazit: Ein unmelodramatisches und dennoch packendes Drama über eine Entscheidung, bei der es "kein richtig und kein falsch" gibt. Anne Zohra Berrached hat sich gewissenhaft auf dieses Thema vorbereitet, was ihr sensibles und realistisch anmutendes Werk widerspiegelt. Ein bewegender Film, der ein großes Publikum verdient hat.





Spielfilm.de-Mitglied werden oder einloggen.