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Maudie
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Kritik: Maudie (2016)

Kritiker-Bewertung: unterirdischschlechtmittelmässiggutweltklasse 4 / 5

Ebenso unbekümmert wie der Malerei nähert sich Maud Dowley (Sally Hawkins) ihrem späteren Ehemann Everett Lewis (Ethan Hawke). Die Motive ihrer Bilder mögen naiv sein, Maud ist es nicht. Diese zarte, zerbrechliche Frau verlangt nicht viel vom Leben und lässt ihr kleines Glück, hat sie es erst einmal ergriffen, nicht mehr los. Allein die Annäherung zwischen dem bärbeißigen Eigenbrötler Everett und der zaghaften, aber entschlossenen Maud und die Art und Weise, wie sie aus diesem Griesgram zwar keinen liebenswerten, aber ganz behutsam und subtil zumindest einen ein Stück weit besseren Menschen macht, ist den Eintrittspreis wert.

Das ganze Leben stecke bereits in einem Bilderrahmen direkt vor ihrer aller Augen, sagt Maude an einer Stelle zur ihrer Bekannten Sandra (Kari Matchett) über die Inspirationsquelle ihrer Kunst. Regisseurin Aisling Walsh bringt dieses karge, aber niemals triste Leben vor unser aller Augen mit feinen Pinselstrichen auf die große Leinwand. Beinahe jede Einstellung des Kameramanns Guy Godfree gleicht einem Gemälde, getragen von Michael Timmins sanfter Folkmusik aus Guitarren, Geige, Klavier, Akkordeon und Percussion.

In jenem verschlafenen Küstennest, an dessen Rand Maud und Everett in einer Kate hausen, sind die Sommer kurz und die Winter hart. Außer dem Wechsel der Jahreszeiten passiert im Grunde nicht viel. Was Aisling Walsh und ihre beiden Hauptdarsteller aus diesem Wenigen machen, ist ganz großes Kino. Kleinste Gesten und Blicke sprechen Bände. Nach Chet Baker im bereits 2015 gedrehten, aber erst 2017 in Deutschland gestarteten "Born to Be Blue" ist dieser Everett Lewis bereits Ethan Hawkes zweite famos interpretierte Rolle in diesem Jahr. Und Sally Hawkins dürfte neben ihrem Part in "The Shape of Water", der im Februar bei uns anläuft, mit ihrer Maud ein weiteres heißes Eisen im Feuer um eine Oscarnominierung haben.

Dass Hawkins' und Hawkes Figuren so wunderbar funktionieren, liegt nicht zuletzt an Sherry Whites Drehbuch, das deren Kern durch feinsinnige Komik, mehr in den Situationen als in den Dialogen, freilegt. Wenn Everett Maud in ihrer Wertigkeit erst hinter seinen Hunden und Hühnern ansiedelt, dann spricht daraus kein spezifischer Frauenhass, sondern ganz allgemein sein Rückzug von der Welt. Und wenn er am Ende keine neuen Hunde mehr will, dann ist das der rührende Schlusspunkt einer verschrobenen Liebesgeschichte zweier Außenseiter, die von ihrer Umwelt stets mit Geringschätzung bedacht worden sind.

Fazit: "Maudie" ist mehr als ein würdiges Biopic über eine unbeirrbare Künstlerin. Regisseurin Aisling Walsh ist eine verschrobene, berührende kleine Liebesgeschichte gelungen, die ein karges Landleben malerisch, aber nicht beschönigend einfängt.





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