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Kritik: Ballerina (2016)

Kritiker-Bewertung: unterirdischschlechtmittelmässiggutweltklasse 2 / 5

Nachdem im Dezember 2016 mit "Vaiana" ein neues, rasant-mitreißendes Disney-Abenteuer in die deutschen Kinos kam, setzt nun der Animationsfilm "Ballerina", eine französisch-kanadische Koproduktion, zur Eroberung der Leinwände an. Trotz eines unverbrauchten Settings – zentraler Handlungsort ist das Paris des Jahres 1879 – und gelungener Tanz-Choreografien kann der auf ein Familienpublikum zugeschnittene Streifen allerdings nicht überzeugen. Enttäuschend ist vor allem die Art und Weise, wie hier eine vertraute Geschichte vollkommen uninspiriert heruntergeleiert wird. Die 12-jährige Hauptfigur Félicie (Originalstimme: Elle Fanning/deutsche Stimme: Maria Ehrich) träumt von einer großen Tanzkarriere, während ihr bester Freund Victor (Dane DeHaan/Max von der Groeben) ein berühmter Erfinder werden will. Nach ihrer Flucht aus einem unbehaglich-düsteren Waisenheim in der Provinz landen sie im Gewimmel der französischen Hauptstadt, wo sie, ohne es zu wollen, ihren Ambitionen zunächst getrennt nacheifern müssen.

Ihr Ringen um Selbstverwirklichung ist gespickt mit Klischees und Standardmotiven, die man aus vielen älteren Animationswerken kennt. Gib nicht auf! Bleib hartnäckig! Dann wird am Ende alles gut! Schlagworte, die "Ballerina" offen vor sich herträgt, ohne seine Figuren mit spannenden Facetten zu versehen. Félicie und Victor sind in ihrem Streben sicherlich sympathisch, bleiben aber bis zum Schluss Stereotypen, denen eine besondere Aura fehlt. Noch einfacher macht es sich das Drehbuch bei der Ausgestaltung der Nebenfiguren, von denen besonders die Mutter einer ebenfalls talentierten Tänzerin negativ hervorsticht. Eine im schlechtesten Sinne klassische, karikaturenhafte Gegenspielerin, die außer ihrer Verschlagenheit keine anderen Eigenschaften besitzt. Besonderheiten der Zeit, in der sich das Geschehen abspielt, geraten durchaus in den Blick, sind letztlich aber nur Randerscheinungen in einer naiven, simpel gestrickten Erbauungsmär. Einer Geschichte, die mit fetzigen Popsongs unterlegt ist, was angesichts der zeitlichen Verortung zumindest kurios anmutet.

Optisch reicht "Ballerina" freilich nicht an die Brillanz aktueller Disney- und Pixar-Arbeiten heran. Solide Animationsarbeit darf man den Machern aber schon bescheinigen, da sie das Paris des 19. Jahrhunderts als wuselig-aufregenden Schauplatz inszenieren. Dass der Detailreichtum dabei Grenzen hat, ist weniger problematisch als die schablonenhafte Erzählung und Figurenzeichnung.

Fazit: Schöne Tanz-Choreografien und ein halbwegs unverbrauchter Handlungsort können die nachlässig-uninspirierte Gesamtkonstruktion dieses Animationsstreifens nicht kaschieren.




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