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Kritik: Zu guter Letzt (2016)

Kritiker-Bewertung: unterirdischschlechtmittelmässiggutweltklasse 3 / 5

"Zu guter Letzt" ist ein Film, der sich gerade durch seine völlig unspektakulär-altmodische Machart beinahe schon wieder als etwas Spektakuläres in der heutigen, von Hektik und Effekten dominierten Kinolandschaft erweist: Der Regisseur Mark Pellington ("Arlington Road") setzt die Geschichte einer älteren Frau, die ihr Leben noch einmal verändert und damit zugleich ihr Umfeld beeinflusst, in einem erstaunlich ruhigen Tempo um. In Teilen wirkt diese Vorgehensweise allzu behäbig; es fehlen originelle Bildideen. Dennoch gelingen Pellington und seinem Ensemble auch einige witzige oder anrührende Momente, wenn die betagte, selbstbewusste Protagonistin Harriet etwa – ausgerüstet mit ihrer eindrücklichen Schallplattensammlung – bei einem kleinen, lokalen Radiosender als Discjockey in Dienst tritt und dabei vollauf zu überzeugen weiß oder wenn Harriet auf ihren Ex-Mann oder auf ihre erwachsene Tochter trifft, um sich der Vergangenheit zu stellen.

Das von Stuart Ross Fink verfasste Drehbuch lässt in der Figurenzeichnung, -konstellation und -entwicklung diverse Stereotype und Klischees erkennen, zum Beispiel in der Darstellung einer in die Jahre gekommenen Karrierefrau, einer furchtsamen, jungen Träumerin oder eines sogenannten "Risikokindes". Die Umsetzung dieser wenig tiefgründigen Vorgaben profitiert indes von weitgehend gelungenen schauspielerischen Interpretationen.

Mit Werken wie "Immer Ärger mit Harry" (1955) von Alfred Hitchcock oder "Das Appartement" (1960) von Billy Wilder avancierte die 1934 geborene Shirley MacLaine zur Hollywood-Größe – und vermochte auch später immer wieder auf der Kinoleinwand zu glänzen, etwa in ihrer Oscar-prämierten Hauptrolle in James L. Brooks' "Zeit der Zärtlichkeit" (1983) oder in einem amüsanten Nebenpart in Rob Reiners "Wo die Liebe hinfällt…" (2005). In "Zu guter Letzt" nimmt MacLaine nun als emanzipierte Ex-Geschäftsfrau abermals für sich ein und legt in jeder Szene eine umwerfende Präsenz an den Tag. Ihre junge Spielpartnerin Amanda Seyfried bleibt neben ihr oft etwas blass; sie kann nicht kaschieren, dass ihre Figur kaum Ecken und Kanten hat und sowohl der Strang um Annes private sowie berufliche Ziele als auch der Liebes-Subplot zwischen Anne und dem vom Thomas Sadoski durchaus charmant verkörperten Robin wenig Überraschendes zu bieten haben. Die Debütantin AnnJewel Lee Dixon weiß sich hingegen als schlagfertige Brenda mit ihrer Energie deutlich besser zu behaupten; zudem liefern mit Anne Heche ("Sechs Tage, sieben Nächte"), Philip Baker Hall ("Last Exit Reno") und Tom Everett Scott ("That Thing You Do!") diverse Stars aus der zweiten Reihe solide (Kurz-)Auftritte, die MacLaines One-Woman-Show einen recht stimmigen Rahmen geben.

Fazit: Eine unaufgeregt erzählte, bisweilen zu dröge inszenierte Geschichte, die nicht frei von Klischees ist, von Hauptdarstellerin Shirley MacLaine und dem Neben-Cast jedoch herrlich interpretiert wird.




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