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The House That Jack Built
The House That Jack Built
© Concorde

Kritik: The House That Jack Built (2018)

Kritiker-Bewertung: unterirdischschlechtmittelmässiggutweltklasse 3 / 5

Der dänische Regisseur Lars von Trier ("Antichrist", "Melancholia") ist bekannt für seine radikalen Stoffe, denen neben einem philosophischen Anstrich auch eine abgründige Düsternis anhaftet. Sein neuer Film befasst sich auf geradezu genüssliche, oft auch humorvolle Weise mit einem fiktiven Serienkiller und seinem Werk. Es erstaunt beim Betrachten keineswegs, dass der 153 Minuten lange Film von der FSK keine Jugendfreigabe erhielt. Der Mörder Jack, der im Amerika der 1970er Jahre sein Unwesen treibt, versteht seine Taten als künstlerische Performance und sammelt Leichen wie andere Leute Gemälde und Skulpturen. Mit dem geheimnisvollen Verge unterhält er sich wie in einer Psychoanalyse oder beim Jüngsten Gericht über seine Motive und ob es Kunst ohne Liebe geben kann.

Sein erstes Opfer, gespielt von Uma Thurman, hat auf einsamer Landstraße im Wald eine Autopanne. Die Frau provoziert ihn furchtlos, indem sie laut spekuliert, ob er ein Serienkiller sei. Jack findet Frauen grundsätzlich dumm, besonders aber die von Riley Keough gespielte, gutmütige Jaqueline. Es fällt besonders bei dieser Frauenfigur auf, wie sehr Lars von Trier sie als Modell für Jack und seine Show inszeniert. Mit der Zeit ermüdet die theatralische Demonstration der eigenen Übermacht, die diesem sowohl als bieder-pedantischen, wie auch als diabolischen Charakter recht gut gespielten Jack so gefällt.

Mit dem mörderischen Treiben übt der Film auch ein Stück Kulturkritik, stellt Bezüge her zur Blutrünstigkeit des beliebten Splattergenres, thematisiert die traditionsreiche Faszination des Menschen für die Jagd. Jack findet auch im Wüten der deutschen Nazi-Soldaten in Osteuropa Anregungen.

Eingestreute Aufnahmen, in denen Glenn Gould Klavier spielt, die Gemälde und die Architektur, über die Jack referiert, illustrieren, wie sehr sich der Killer mit schöpferischen Genies vergleicht, sich selbst als solches begreift. Jack sucht Überlebensgröße und entzieht sich doch nur der menschlichen Notwendigkeit des Leidens, der eigenen Verletzlichkeit. Der abgründige Pessimismus, den der Film ausstrahlt, lässt auch darüber rätseln, inwiefern sich der Regisseur hier einer kritischen Selbstanalyse unterzieht, sich als Künstler empfindet, dem der eigene Blick suspekt geworden ist.

Fazit: Lars von Trier strapaziert mit dieser düsteren Geschichte über einen Serienkiller die Gemüter von Zuschauern, denen über 150 mit blutigen Morden und Grausamkeiten gefüllte Minuten zu lang sind. Matt Dillon spielt den Amerikaner Jack, der die Morde, die er begeht, als Kunstwerke versteht. Im Gespräch mit einem psychoanalytisch geschulten Mann oder allmächtigen Richter, den Bruno Ganz darstellt, legt er stolz Rechenschaft ab über sein Wirken, ohne sich selbst zu verstehen. Die philosophischen Gedanken über die Natur des Menschen regen zum Spekulieren und Diskutieren an und können auch als Auseinandersetzung des Regisseurs mit seinem eigenen Pessimismus interpretiert werden.




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