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Kritik: Körper und Seele (2016)

Kritiker-Bewertung: unterirdischschlechtmittelmässiggutweltklasse 4 / 5

Die ungarische Regisseurin Ildikó Enyedi hat mit diesem Drama ihre langjährige Kinoabstinenz beendet. Davor war sie zuletzt mit "Simon Magus" 1999 auf den Leinwänden zu sehen gewesen und drehte zuletzt von 2012 bis 2014 die Fernsehserie "Terápia".

Und eine Therapie schildert gewissermaßen auch "Teströl és lélekröl" (Auf Körper und Seele). Zwei verschlossene Seelen finden hier langsam, aber sicher zueianander, als sie durch einen Zufall entdecken, dass sie Nacht für Nacht gemeinsam in ihren Träumen als Hirsch und Hirschkuh durch die Wälder streifen. Während Maria (Alexandra Borbély) ganz offensichtlich ihre psychischen Probleme hat, alles rationalisiert, über ein phänomenales Gedächtnis verfügt, aber Berühungen und Unordnung nicht ertragen kann, noch immer ihren Kinderpsychologen aufsucht und ein sozial völlig eingekapseltes Leben in ihrer wie einer weißen Weltraumstation wirkenden Wohnung führt, ist die Entscheidung ihres Arbeitskollegen Endre (Morcsányi Géza), zurückgezogen und betont sachlich zu leben, eine bewusste. "Ich habe mich entschieden, etwas zu ändern. Ich hatte viele Frauen früher, vielleicht zu viele", gesteht er Maria.

Enyedi hütet sich vor jeder Sentimentalisierung des Geschehens, das langsam wie ein Boot auf verschlugenenen Flusswendungen der Auflösung zutreibt. Im Gegenteil siedelt sie das hauptsächliche Geschehen auf einem Rinderschlachthof an und spart dabei nicht mit drastischen Bildern der geschlachteten Tiere oder später einer aufgeschnittenen Pulsader. Doch der Zauber entwickelt sich durch die Sympathie für ihre Charaktere, der sich dank der famosen Leistungen der Darsteller die Zuschauer kaum entziehen können.

Ob sich der Streifen zu viel Zeit nimmt, ist debattierbar. Vielleicht hätte er der Verwandlung von Maria mehr Raum geben können. Aber unbestritten ist dies ein zutiefst menschlicher, anrührender und teilweise auch witziger Film, der zeigt, dass der Topf seinen Deckel manchmal an den unvermutesten Stellen findet.

Fazit: Ein langsamer, berührender und zärtlicher Film, superb gespielt und behutsam inszeniert mit einem Sinn für Schwarzen Humor ebenso wie für Poesie.





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