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Isle Of Dogs - Ataris Reise
Isle Of Dogs - Ataris Reise
© 20th Century Fox

Kritik: Isle Of Dogs - Ataris Reise (2018)

Kritiker-Bewertung: unterirdischschlechtmittelmässiggutweltklasse 5 / 5

Der mit Kritikererfolgen wie "Rushmore" und "The Royal Tenenbaums" bekannt gewordene Regisseur Wes Anderson legt nach "Der fantastische Mr. Fox" mit "Isle of Dogs" seinen zweiten Animationsfilm vor. Inspirieren ließ sich Anderson für sein Werk eigenen Aussagen zufolge vom visuellen Stil des legendären japanischen Regisseurs Akira Kurosawa ("Die sieben Samurai"). Die Produktion des Films, für den Anderson auch das Drehbuch verfasste, begann im Herbst 2016. Anderthalb Jahre später, im März 2018 und einige Wochen nach Fertigstellung, wurde in London eine Ausstellung mit Original-Bühnenbildern und Figuren aus dem Film gezeigt.

"Isle of Dogs" eröffnete in diesem Jahr die Berliner Filmfestspiele und entwickelte sich schnell zum Publikumsliebling. Denn der gesellschafts- und sozialkritische Animationsfilm bringt all die Elemente auf vergnügliche und wunderbar kauzige Weise zusammen, die sich seit jeher durch das filmische Schaffen Wes Andersons ziehen. Das sind zum einen die schrulligen, liebenswerten Hauptfiguren, in diesem Fall die Hunde. Als Zuschauer fiebert man jederzeit mit ihnen mit und erfreut sich an den turbulentem Abenteuern, die sie bei ihrer Suche nach Ataris Hund erleben. Sie müssen sich einer ganzen Reihe lebensbedrohlicher Gefahren stellen, darunter Zerkleinerungsmaschinen, fiesen Hunde-Robotern und gefräßigen Hunde-Kannibalen.

Anderson und sein Team beweisen an dieser Stelle ein hohes Maß an Einfallsreichtum und Kreativität, die sich durch den ganzen Film zieht. Denn das detailreich animierte Werk steckt voller bizarrer Einfälle und pfiffiger Ideen. Und: charmanter Running-Gags. So z.B. die regelmäßig durchgeführten, witzigen Abstimmungen, wenn innerhalb der Gruppe eine Entscheidung getroffen werden muss.

Die metaphorischen Entsprechungen, die Anderson für seine Gesellschafts- und Sozialkritik wählt, sind nicht allzu subtil. Der Vorteil allerdings: Sie machen unmissverständlich klar, was der begnadete Regisseur anprangert. Mit der immer weiter steigenden Hundepopulation deutet er etwa die Überbevölkerung der Erde an. Das restriktive japanische Polit-System, das Opposition und Presse mundtot macht, kann als Kritik an allen diktatorischen, unterdrückenden Staatsapparaten dieser Welt gesehen werden. Egal ob Nordkorea, Syrien oder Türkei. Die Verbannung der Hunde ist u.a. eine offensichtliche Anspielung auf die menschenverachtende Flüchtlingspolitik einiger Staaten, in denen (fragwürdige) Abschiebeverfahren nicht selten etwas von Entsorgung haben.

Und Wes Anderson wäre nicht Wes Anderson, wenn er seinen Film nicht auch noch mit einigen brutalen, äußerst blutigen Szenen anreichern würde. Diese Szenen wirken deshalb so schockierend und damit nachdrücklich, weil sie so gar nicht zur "kindlichen", verspielten Optik eines Animationsfilm passen: von abgetrennten (Hunde-) Ohren bis hin zu Stangen, die sich in Schädel bohren.

Fazit: Anspielungsreicher, hintersinniger und phantasievoll ausgestalteter Animationsfilm mit skurrilem Witz, dessen gesellschaftskritische Botschaften unmissverständlich sind.




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