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Die fantastische Reise des Dr. Dolittle
Die fantastische Reise des Dr. Dolittle
© Universal Pictures International

Kritik: Die fantastische Reise des Dr. Dolittle (2020)

Kritiker-Bewertung: unterirdischschlechtmittelmässiggutweltklasse 3 / 5

Dieser Mediziner hat schon einige Jahre auf dem Buckel, 100, um genau zu sein. Der englische Schriftsteller Hugh Lofting schickte ihn 1920 erstmals auf die Reise. Seither hat der Arzt, der die Sprache der Tiere beherrscht, 15 Kinderbücher gefüllt und diverse Auskopplungen in anderen Medien erfahren. Den Verfilmungen war bislang kein Glück beschieden. Richard Fleischers Musical-Version mit Rex Harrison in der Titelrolle ruinierte 1967 beinahe das Filmstudio 20th Century Fox. Und auch die zwei modernen Varianten mit Eddie Murphy kamen bei der Kritik überhaupt nicht gut und beim Publikum nur mäßig an.

Stephen Gaghan, der als Drehbuchautor und Regisseur von Filmen wie "Syriana" (2005) und "Gold" (20016) im ernsten Fach reüssierte, scheint ein ähnliches Schicksal zu ereilen. Bereits die Dreharbeiten gerieten turbulent. Nach schlecht bewerteten Test-Vorführungen mussten neue Szenen geschrieben und nachgedreht werden. Der offizielle Kinostart wurde zweimal verschoben. Allein, es half nichts. Gaghans Adaption des Kinderbuch-Klassikers erhielt in der US-Presse miserable Kritiken und blieb an den Kinokassen weit hinter den Erwartungen zurück. Und es stimmt, von einem rundum gelungenen Abenteuerfilm ist "Dolittle", so der knappe Originaltitel, meilenweit entfernt, allerdings auch um Längen besser als der schlechte Ruf, der ihm vorauseilt.

Am besten lässt sich Gaghans Film als "närrisches Treiben" beschreiben, als das der von Michael Sheen gespielte Konkurrent Blair Müdfly die Unternehmung der Titelfigur bezeichnet. "Dolittle" ist wild und bunt und voller anarchischer Gags. Hier bibbern Gorillas vor Angst und Eisbären vor Kälte, ein Vogelstrauß steckt seinen Kopf statt in den Sand in des Doktors Hut, und eine Drachen-Lady leidet unter Verstopfung. Für das junge Zielpublikum ist das ein Riesenspaß, für die erwachsene Begleitung deutlich weniger. Denn letzten Endes geht in dieser filmischen Wundertüte schlicht zu viel durcheinander.

Die Handlung läuft noch einigermaßen rund, der Rest gerät mehrmals ins Stottern. Die Figuren bleiben flach, und die computergenerierten Bilder spielen mal in der Königs-, mal in der Kreisklasse. Das bis in die letzte Sprechrolle vorzüglich besetzte Ensemble (im Original u. a. Emma Thompson, Rami Malek und Octavia Spencer) tut es ihnen nach. Während Michael Sheen und Antonio Banderas sichtlich Spaß an ihren abgedrehten Nebenrollen haben, verharrt Hauptdarsteller Robert Downey Jr. viel zu lange in der melancholischen Stimmung, die seinen Charakter zu Beginn gefangen hält. Den überbordenden Enthusiasmus seiner anderen Rollen – beispielsweise als Sherlock Holmes oder Tony Stark alias Iron Man – vermag Downey Jr. dieses Mal nicht einzubringen.

Fazit: Die US-Kritiken waren mies, das Einspielergebnis bescheiden, dennoch ist Stephen Gaghans Abenteuerfilm besser als sein Ruf. In dieser Adaption des berühmten Kinderbuchs geht zwar vieles drunter und drüber und wild durcheinander. Gerade dieser anarchische Charme, das Tempo und die Gags machen "Die fantastische Reise des Dr. Dolittle" aber zu einem kurzweiligen Spaß für das junge Zielpublikum.




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