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Girls Trip
Girls Trip
© Universal Pictures International Germany

Kritik: Girls Trip (2016)

Kritiker-Bewertung: unterirdischschlechtmittelmässiggutweltklasse 2 / 5

In dieser Komödie von Regisseur Malcolm D. Lee ("Barbershop: The Next Cut") stehen vier afroamerikanische Frauen im Mittelpunkt. Und auch auf dem Essence Festival in New Orleans, zu dem sie angereist sind, sind Weiße allenfalls Zaungäste. Die mit deftigem Humor gespickte Geschichte will nicht einfach nur beweisen, dass Frauen genauso intensiv und losgelassen feiern können wie die Jungs in "Hangover". Sie schildert vielmehr speziell, wie afroamerikanische Frauen zusammen Spaß haben und richtet damit den Blick auf eine Bevölkerungsgruppe, um die es in amerikanischen Filmen noch viel zu selten geht.

Allerdings fällt vor allem auf, wie stark sich die Frauen in ihrer Vorfreude auf das Wochenende und auch in den sonstigen Dialogen als geil und sexhungrig präsentieren. Von Männern ist man so etwas viel eher gewöhnt, aber indem hier einfach der Spieß umgedreht wird, entsteht nicht automatisch ein filmisches Vergnügen. Kaum zu glauben, dass Frauen, die immerhin Collegebildung und einige Lebenserfahrung besitzen, so stark auf den Geschlechtsakt mit Männern fixiert sein sollen und vor allem so vulgär darüber sprechen. Es entsteht beim Betrachten vielmehr der Verdacht, dass diese weiblichen Charaktere so sexualisiert inszeniert sind, damit sie dem männlichen Blick gefallen. Auf Dauer wirken die kruden, in ihrer schrillen Übertreibung anstrengenden Dialoge ermüdend. Natürlich darf auch hier der Ekelwitz nicht fehlen: Deshalb versagt Lisa auf einer Seilrutsche die Blase. Wenn dann der Aufschrei kommt, "Mein Gott, warum hast du mich verlassen?", ist der geschmackliche Tiefpunkt des Films erreicht. Es nützt ja auch wenig, Hits wie "Brautalarm" nachmachen zu wollen, denn dadurch gewinnt die Geschichte nicht an Originalität und Charme.

Während Ryan und auch Lisa eher blasse Figuren bleiben, trumpft Dina mit ihrem aggressiven Temperament auf und stiehlt als Vollblutfrau selbst Queen Latifahs Sasha die Show. Wie es sich für ein Wochenende unter Frauen gehört, stehen nicht nur Eskapaden auf dem Programm. Das Erlebnis der Freundschaft soll ihnen auch die Augen öffnen in Bezug auf Versäumnisse und fällige Korrekturen im eigenen Leben. So nimmt die Komödie schließlich die Kurve in Richtung Emanzipation und gibt sich einen feministischen Anstrich. Überzeugend ist das alles eher nicht.

Fazit: Im Mittelpunkt dieser schrillen Party-Komödie stehen vier afroamerikanische Freundinnen, die beweisen, dass sie ähnlich heftig feiern können wie die weißen Männer in "Hangover". Dabei verschenkt sie aber ihr Potenzial weitgehend an vulgären, stark sexualisierten Dialogwitz und kommt ihren Charakteren auch nicht wirklich nahe. Die feministisch-befreiende Wirkung, welche die Gruppendynamik auf die einzelnen Frauen ausübt, mutet unter diesen Umständen wie eine reine Behauptung an.




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