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Kritik: Astrid (2018)

Kritiker-Bewertung: unterirdischschlechtmittelmässiggutweltklasse 4 / 5

"Astrid" ist für die dänische Regisseurin Pernille Fischer Christensen der erste Film seit vier Jahren. International bekannt wurde sie 2006 mit dem Drama "En Soap", das auf der Berlinale den Silbernen Bären gewann. Für die Hauptrolle in "Astrid" entschied sich Christensen für die weitestgehend unbekannte, 25-jährige Darstellerin Alba August. "Astrid" feierte seine Weltpremiere im Februar 2018 auf der 68. Berlinale in der Kategorie "Berlinale Specials".

Mit einer ausgewogenen Balance zwischen Hoffnung und Tragik sowie einem ausgesprochenen Gespür für leise Zwischentöne, widmet sich Christensen den prägenden Jahren im Leben der Astrid Lindgren (die damals noch Ericsson hieß). Die dänische Autorenfilmerin hat sich richtig entschieden, in ihrem Biopic nur rund eine halbe Dekade im Leben der später weltberühmten Autorin näher zu beleuchten. Denn es sind die für die junge Astrid ganz entscheidenden Jahre, die ihren Charakter formen und sie zu jener selbstbewussten, mutigen Frau werden lassen, die zum Vorbild für Millionen wird.

Dabei kommt dem teils ambivalenten Verhältnis zu den streng religiösen Eltern besondere Bedeutung zu. Einerseits sind sie geschockt, als sie vom "unsittlichen" Verhalten der Tochter erfahren – immerhin steht die Existenz der gesamten Familie auf dem Spiel, deren Land von der Kirche gepachtet ist. Schwer zu verdauen sind dann auch jene Momente, in denen ihre Mutter Astrid zum Beispiel dazu auffordert, das Kind wegzugeben und alles Geschehene zu vergessen. Andererseits aber leidet Astrids Mutter ungemein darunter, ihre Tochter diesen Ultimaten auszusetzen. Letztlich sind die Eltern auch sehr besorgt um das Wohl der schriftstellerisch so begabten Tochter und wollen doch eigentlich nur das Beste – selbst wenn ihre Ratschläge genau das Gegenteil dessen bedeuten, was Astrid eigentlich möchte.

Getragen wird der mit viel erzählerischer Ruhe inszenierte, mit einer exquisiten und authentischen Ausstattung garnierte Film von einem beachtlichen Cast. Über allen steht Alba August als lebenshungrige, intelligente junge Frau, die sich trotz aller Wider- und Umstände alleine durchkämpft. Die erzählerische Klammer des Films bilden Geburtstagswünsche für die 90-jährige Astrid Lindgren. Die Schwedin empfängt diese Wünsche und Grüße von Kindern, die sie für ihre Geschichten lieben. Geschichten über Pippi Langstrumpf, Ronja Räubertochter oder Michel aus Lönneberga, die sie ohne ihre einschneidenden Erfahrungen als 18-Jährige vielleicht nie hätte schreiben können.

Fazit: Schonungslos offenes, gekonnt zwischen Schwermut und Hoffnung changierendes Drama, das von einer umwerfenden Hauptdarstellerin getragen wird.




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