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White Boy Rick
White Boy Rick
© Sony Pictures

Kritik: White Boy Rick (2017)

Kritiker-Bewertung: unterirdischschlechtmittelmässiggutweltklasse 4 / 5

Dieses Krimidrama von Regisseur Yann Demange hebt sich deutlich ab von üblicher Genrekost. Denn es erzählt, wie ein Teenager in einer verfallenden Stadt den falschen Weg einschlägt, wie er seinem Vater und der Familie helfen will, wie er von der Polizei ausgenutzt und fallengelassen wird. Diese trotz ihres harten Realismus oft auch mit witzigen Tönen erzählte Geschichte basiert auf dem Leben von Rick Wershe Jr, der es im US-Bundesstaat Michigan zu trauriger Berühmtheit gebracht hat. Er wurde mit 17 Jahren zu lebenslanger Haft verurteilt und musste 30 Jahre warten, bis sein Antrag auf Entlassung Erfolg hatte. Er wurde der am längsten einsitzende Jugendstraftäter in einem Drogenfall ohne Gewaltdelikt in Michigan.

Der Film schildert Ricks Aufstieg zum Dealer in der Stadt Detroit, die in den 1980er Jahren im Niedergang begriffen ist und jungen Menschen keine Perspektiven auf der richtigen Seite des Gesetzes bietet. Die Weißen sind aus Ricks Viertel weggezogen, nur sein Vater predigt ihm unermüdlich, sie seien Löwen und ein Löwe verlasse die Serengeti nicht. Matthew McConaughey spielt diesen Vater als Verfechter des amerikanischen Traums, der hochfliegende Pläne hat und eine Videothek eröffnen will. Hinter seinem großmäuligen Getue scheint eine tiefe Ratlosigkeit, gar Resignation auf. Die kaputte Stadt, der er zu trotzen glaubt, fordert ihre Opfer auch in seiner Familie und er lässt es allzu passiv geschehen. Doch es gibt auch Phasen, in denen er sich intensiv um Rick und auch um Dawn kümmert. Das Drama dieses gebrochenen Mannes ist es, für seinen Sohn kein guter Ratgeber zu sein.

Rick wird vom 15-jährigen Schüler Richie Merritt in seiner ersten Filmrolle gespielt. Er verleiht dem Charakter eine authentische, frische Lebendigkeit. Dieser Rick wirkt völlig naiv und wird so zum Bauernopfer in einer Stadt, in der die Nichte des Bürgermeisters mit einem Drogengangster verheiratet ist. Wer hier die Fäden zieht, bleibt im Dunkeln, ebenso wie die Gründe, warum das FBI mit Rick ein doppeltes Spiel spielt. Rick hat die Sympathien der Zuschauer auf seiner Seite, wenn er mit jugendlicher Unbeschwertheit versucht, in dieser Umgebung etwas zu werden. Besondere Spannung erhält der Film, indem er sich streckenweise vom Optimismus des Vater-Sohn-Gespanns einfangen und den Traum der beiden vom familiären Glück für ein paar Momente wahr werden lässt.

Fazit: Regisseur Yann Demarge siedelt dieses kernige Coming-of-Age-Drama in der Stadt Detroit der 1980er Jahre an, in der Kriminalität und Verwahrlosung um sich greifen. Die Geschichte eines Jugendlichen, der als FBI-Informant mit der Verbrecherszene in Berührung kommt, basiert auf einem wahren Fall. Der Teenager vertraut stets den falschen Leuten, seinem im Leben gescheiterten Vater ebenso wie der Polizei. Der Werteverfall lässt niemanden ungeschoren, aber der Film verzichtet auf anklagende Töne und pauschale Urteile, um lieber mit Realitätsnähe und Einfühlungsvermögen zu überzeugen.




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