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Gemini Man
Gemini Man
© Paramount Pictures Germany

Kritik: Gemini Man (2019)

Kritiker-Bewertung: unterirdischschlechtmittelmässiggutweltklasse 2 / 5

Erstmals in seiner langen Karriere wagt sich Ang Lee an einen knallharten Actionfilm. Die Bandbreite und Vielseitigkeit der von ihm seit den frühen 90er-Jahren bearbeiteten Stoffe und inszenierten Werke ist beachtlich. Von Liebesdrama ("Brokeback Mountain") über Kampfkunst ("Tiger & Dragon") und Abenteuer ("Life of Pi") bis hin zu Historienfilm ("Taking Woodstock"): Lee ist auf kein filmisches Genre festgelegt.

Ang Lee ist ja schon länger der 3D-Technik zugetan (siehe "Life of Pi") und auch mit hohen Bildraten setzte er sich bereits intensiv auseinander. In "Gemini Man" bringt er nun Beides zusammen: Die räumliche Darstellung der Dreidimensionalität sowie die erhöhte Bildfrequenz (hier: 120 Bilder pro Sekunde), die für eine unglaubliche Schärfe, Rasanz und Plastizität sorgt. Die Macher und das Studio kündigten "Gemini Man" schon lange als große technische Revolution an, in den Kinos wurde der Film bereits seit dem Spätsommer mit ersten Trailern aggressiv beworben. Das Marketing setzte dabei ganz auf den CGI-Klon eines blutjungen, aus Bits und Bytes bestehenden Will Smith.

Tatsächlich ist die Optik eine Wucht und die Schärfe zieht einen förmlich ins Geschehen. Selten zuvor fühlte man sich als Zuschauer so sehr als Teil der Ereignisse auf der Leinwand und als unmittelbarer Beobachter inmitten der Szenerie. Gerade in den (zahlreich vorhandenen) Action-Einlagen. So kommt die bestechende visuelle Bearbeitung etwa bei den schweißtreibenden Verfolgungsjagden oder den packenden (Faust-) Kämpfen besonders zur Geltung und es zeigen sich hier die Vorteile dieser bahnbrechenden Technik. Leider verlässt sich "Gemini Man" aber ausschließlich auf seine Visualität.

Denn inhaltlich bietet der Film kaum Überraschungen, die Story ist flach und dünn. Hinzu kommt ein unausgegorenes, immer wieder von Logikfehlern bestimmtes Skript, das zudem den Nebenfiguren viel zu wenig Screentime – und damit Entwicklungsmöglichkeiten – zugesteht. Ohnehin kommt Clay Verris als Antagonist viel zu handzahm und einfältig daher. Zwar macht Will Smith seine Sache gut, aber all die angeschnittenen Themen, Inhaltsfetzen und (pseudo-philosophischen) Fragestellungen (die Flucht vor sich selbst, die – eigene – Vergänglichkeit, der Kampf gegen das eigene Ich etc.) dienen letztlich nur als allzu offensichtliches Mittel zum Zweck, um mit Optik und Action-Bombast die Schwächen zu kaschieren.

Fazit: Künstlich wirkender, dramaturgisch wie inhaltlich generischer Action-Reißer, der zwar durch seine beeindruckende technische Umsetzung und die daraus folgende ungeheure Tiefenschärfe punktet, letztlich aber doch nicht viel mehr ist als ein durchwachsener Hochglanz-Blockbuster für die Massen.




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