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Lady Bird
Lady Bird
© Universal Pictures International

Kritik: Lady Bird (2017)

Kritiker-Bewertung: unterirdischschlechtmittelmässiggutweltklasse 5 / 5

Mit "Lady Bird" feiert Greta Gerwig ihr Debüt als Regisseurin. Große Erfolge als Schauspielerin gelangen ihr vor allem in den letzten Jahren mit Filmen wie "Mistress America" oder auch "Jackie". Ihr Regie-Erstling ist stark autobiographisch gefärbt. Gerwig selbst wuchs in Sacramento auf und zog nach dem Besuch einer katholischen Highschool in die Weltstadt New York. Ihren Film drehte sie u.a. an Originalschauplätzen in Sacramento sowie in Los Angeles. Das Budget belief sich auf rund zehn Millionen US-Dollar. "Lady Bird" wurde in diesem Jahr mit fünf Oscar-Nominierungen bedacht.

"Lady Bird" gehört zu den schönsten, wahrhaftigsten Coming-of-Age-Filmen der letzten Zeit. Regie-Debütantin Gerwig gelingt es famos, präzise Alltagsbeobachtungen aus dem Leben und Alltag einer 17-Jährigen mit dem nuanciert gezeichneten Porträt einer nicht immer einfachen Mutter-Tochter-Beziehung zu verbinden. Das Leben von Lady Bird ist geprägt von typischen Problemen und Sorgen einer Heranwachsenden, was den Film rein inhaltlich zunächst einmal wenig besonders erscheinen lässt.

Das Außergewöhnliche aber ist, wie deutlich Gerwigs feines Gespür für emotionale Zwischentöne und besondere Augenblicke hier zur Geltung kommt. Und ihr Talent, die jeweils aktuellen Befindlichkeiten ihrer Figuren in scheinbar ganz normalen (Alltags-) Situationen und bei äußerst gewöhnlichen Ereignissen – beim Shopping, während einer Autofahrt, bei Theater-Proben – nach außen zu kehren. Scheinbar beiläufig dabei aber höchst akkurat und präzise, schafft Gerwig dies u.a. in einer intensiven Szene zwischen Lady Bird und ihrer Mutter. Eine Szene, die typisch ist für den Film, da in Sequenzen wie dieser stets Beides mitschwingt: Schwermut und Humor, Trauer und Heiterkeit. Und es sind Situationen, die dann letztlich doch oft ein überraschendes, nicht vorhersehbares Ende finden.

In jener Szene streiten Mutter und Tochter über Lady Birds Vorhaben, die Heimat so schnell wie möglich zu verlassen. Lady Bird kann die Ängste ihrer Mutter nicht nachvollziehen und reagiert gereizt auf die Äußerungen von Marion (nachdrücklich und zutiefst menschlich: Laurie Metcalf). Wird die Szene zunächst von der Wut und dem aufbrausenden Temperament Lady Birds bestimmt, überrascht diese den Zuschauer – und auch die Mutter – plötzlich mit einem unerwarteten, spontanen Ausstieg aus dem (fahrenden) Auto. "Lady Bird" steckt voller solcher Überraschungen und Ausbrüche inmitten des Alltäglichen. Herausragend und jederzeit kraftvoll ist darüber hinaus die Darbietung von Saoirse Ronan, die in ihrer Figur jugendliches Aufbegehren und Abenteuerlust ebenso glaubwürdig anlegt wie Selbstzweifel, Identitätskrisen und die Angst vor Zurückweisung.

Fazit: Feinfühlig inszenierte, gekonnt zwischen Tragik und Heiterkeit changierende Coming-of-Age-Tragikomödie mit einem beachtlichen Gespür für die Befindlichkeiten der Figuren und einem brillanten Cast.




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