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Der verlorene Sohn
Der verlorene Sohn
© Universal Pictures International

Kritik: Der verlorene Sohn (2018)

Kritiker-Bewertung: unterirdischschlechtmittelmässiggutweltklasse 4 / 5

"Der verlorene Sohn" ist die zweite Regiearbeit von Schauspieler Joel Edgerton, der vor drei Jahren mit dem Thriller "The Gift", seinem Regie-Erstling, einen Kritikererfolg landen konnte. Edgerton wollte für die Rolle von Garrard Conley unbedingt den 22-jährigen Lucas Hedges, der ein Jahr vor den Dreharbeiten zu "Der verlorene Sohn", eine darstellerische Glanzleistung im Drama "Manchester by the sea" (2016) zeigte. Seine Mutter wird von Nicole Kidman verkörpert, die mittlerweile wieder sehr gut im Geschäft ist. Allein 2017 und 2018 war sie in sieben Filmen in Haupt- oder Nebenrollen auf der großen Leinwand zu sehen.

"Der verlorene Sohn" besticht als nachdrückliches und famos gespieltes Drama über überholte (religiöse) Ansichten vor allem durch Edgertons unterschwellig eingestreute Kritik an den perversen Therapiemethoden – und an den Menschen, die diese ausführen. Der Filmemacher begnügt sich jedoch mit einer allzu einfachen, wenig reflektierten Schwarz-Weiß-Zeichnung der Vorgänge im Heim sowie der Heimmitarbeiter. Er liegt sie, und darunter in erster Linie den reaktionären Leiter Skyes (mit abgründiger Durchtriebenheit überragend von Edgerton verkörpert), vielmehr als bemitleidenswerte Figuren an, die allem Anschein nach selbst Opfer einer rückständigen Glaubenslehre und ultrakonservativen Erziehung wurden.

Dies sickert subtil immer wieder in einigen Szenen während Garrards Heimaufenthalt durch, meist durch kurze, flüchtige Gesten und Blicke oder beiläufig geäußerte Bemerkungen. Auf diese Weise fordert Edgerton den Zuschauer auf, genauer hinzusehen und vielmehr die antiquierten, weltfremden Glaubenssätze und Denkweisen der Baptisten zu hinterfragen als voreilig die Täter allzu vorschnell zu verurteilen. Schätzungen zufolge wurden bis heute 800 000 bis eine Million junger Menschen in solchen Umerziehungscamps jenen Konversionstherapien unterzogen, die auch Garrard in diesem mit einem auftrumpfenden Cast bestückten Film über sich ergehen lassen muss. Apropos Cast: Lucas Hedges Darstellung des mit sich selbst ringenden Jugendlichen, der zwischen unterdrückten Gefühlen, Selbsthass, Unsicherheit und Identitätssuche hin- und herschwankt, ist Oscar-würdig.

Fazit: Von einem eindringlich aufspielenden Cast getragene Parabel über restriktive Therapien und Maßnahmen im Namen Gottes sowie zutiefst steinzeitliche religiöse Weltanschauungen.




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