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Kritik: Gundermann (2017)

Kritiker-Bewertung: unterirdischschlechtmittelmässiggutweltklasse 5 / 5

Nach "Timm Thaler oder das verkaufte Lachen" (2017) widmet sich Regisseur Andreas Dresen mit "Gundermann" wieder ernsteren Themen. Der Zeitpunkt der Veröffentlichung des Films ist nicht zufällig gewählt. Denn vor genau 20 Jahren, im Sommer 1998, starb Gerhard Gundermann im Alter von 43 Jahren. Er hinterließ eine Frau und vier Kinder. In der Rolle des Gundermann schlüpfte der Berliner Alexander Scheer. Bekannt wurde er durch seine Mitwirkung in vielen erfolgreichen nationalen wie internationalen Filmproduktionen vor allem ab 2010. So war er unter anderem in der deutsch-französischen Filmbiografie "Carlos" oder auch in der deutschen Produktion "Im Alter von Ellen" zu sehen.

Andreas Dresen zeichnet auf einfühlsame und ganz und gar uneitle Weise das Porträt eines durch und durch widersprüchlichen Mannes. Einerseits glaubte Gundermann an das politische System des Sozialismus. Er sagte sich vom Kapitalismus los und glaubte Zeit seines Lebens an den Wert ehrlicher, harter Arbeit (obwohl er von seinen Konzerteinnahmen hätte leben können, fuhr er nach seinen Auftritten noch zu seinen Schichten ins Kohlerevier). Andererseits befasste er sich in seinen Texte mit sozialen und politischen Themen und stellte auch unangenehme Fragen. Und als junger Mann widersetzte er sich der NVA-Obrigkeit, was ihn die Offizierslaufbahn kostete.

Ein Mann zudem, der sich seine Stasi-Tätigkeit nie verzeihen konnte. Gewissermaßen Gundermanns tragische Lebenslüge, die er jedoch selbst zu verantworten hatte. Dass er den Verrat an den Arbeitskollegen und das Ausnutzen des ihm entgegenbrachten Vertrauens die letzten Lebensjahre wie einen schweren Rucksack auf den schmächtigen Schultern trug, scheint an unterschiedlichen Stellen des Films immer wieder durch.

Klar ist: Gundermann war ein komplexer und höchst ambivalenter Charakter, dem Dresen ein unbedingt sehenswertes Biopic widmet. Das liegt auch an der herausragenden, nuancierten Darbietung von Hauptdarsteller Scheer, der Gundermann in jeglicher Hinsicht wahrhaftig und glaubwürdig verkörpert: Von der typisch thüringischen Dialekt-Einfärbung über Gundermanns charakteristische Gestik und Mimik bis hin zu seinen vielen Spleens (der auffälligste: Das andauernde Ruckeln an der großen Brille).

Am Ende verweigert Dresen eine abschließende Bewertung und subjektive Einordnung der Lebensleistung und Taten Gundermanns. Der Betrachter muss sich selbst eine Meinung über diesen außergewöhnlichen und widersprüchlichen und widerstreitenden Menschen bilden, der die Menschen (vor allem im Osten) bis heute nicht loslässt.

Fazit: Glaubhaft gespieltes, dringliches Porträt über einen vielschichtigen, höchst ambivalenten Menschen, der die Alltagssorgen der arbeitenden Schicht in der DDR in authentische Liedtexte zu verpacken vermochte.




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