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Kritik: Roads (2018)

Kritiker-Bewertung: unterirdischschlechtmittelmässiggutweltklasse 4 / 5

Nach "Victoria" ist "Roads" der zweite Film von Regisseur und Schauspieler Sebastian Schipper, den dieser nicht auf Deutsch drehte. Schipper ist seit den frühen 90er-Jahren als Darsteller in Kino und TV erfolgreich, seit 1999 ("Absolute Giganten") führt er zudem Regie. "Roads" feierte im Frühjahr 2019 beim Tribeca Filmfest seine internationale Premiere.

"Roads" ist – auch wenn der Titel anderes vermuten lässt – mitnichten ein reines Roadmovie. Natürlich bezieht der Film ein Großteil seines Reizes aus der abenteuerlichen, ereignisreichen Reise, die die beiden jungen Männer durch verlassene Landstriche und teils wunderschöne, erhabene Regionen führt. Doch "Roads" ist mindestens zu gleichen Teilen ein aufwühlendes (Familien-)Drama (so trifft Gyllen in einer starken Sequenz u.a. auf seinen leiblichen Vater) sowie ein Coming-of-Age-Film, in dem die Beziehung zwischen Gyllen und William klar im Zentrum der Betrachtung steht.

Im Laufe der Reise müssen die beiden Getriebenen (überzeugend verkörpert von den Jungdarstellern Whitehead und Bak) zusammenhalten, Streitigkeiten überwinden, schier unlösbare Probleme meistern. Es geht daher immer auch um Themen wie Freundschaft, Vertrauen, Verantwortung und das Finden zu sich selbst. Während des Trips in Richtung Norden passieren Gyllen und William häufig grenznahe Polizeistationen, auf der Straße lebende Migranten und Flüchtlingshelfer, die scheinbar hilflos, mindestens aber völlig überlastet scheinen.

In diesen Szenen ist die weltweite Flüchtlingsproblematik allgegenwärtig. Besonders intensive, nachdrückliche Momente erleben die Freunde im nordfranzösischen, an der Straße von Dover gelegenen Calais. Jener Stadt, die vor knapp drei Jahren aufgrund der riesigen Zeltstädte und der dortigen, kriminellen Zustände (traurige) Berühmtheit erlangte.

Fazit: Tiefgründiges, melancholisches Coming-of-Age-Drama mit Roadmovie-Anleihen, das die Flüchtlingskrise aus der unvoreingenommenen Sicht zweier junger Männer schildert.




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