VG-Wort
Die Domain Spielfilm.de verwendet Cookies für funktionale und analytische Zwecke. Durch die Nutzung unserer Seite erklärst Du Dich damit einverstanden. Weitere Cookie-Informationen findest Du hier.

Ok, einverstanden!

oder

Kritik: Tully (2018)

Kritiker-Bewertung: unterirdischschlechtmittelmässiggutweltklasse 3 / 5

Das Leben mit einem Baby ist nicht nur mit Glück, sondern auch mit Schlafentzug verbunden. Von der Plackerei einer Mutter, die außer dem Neugeborenen noch zwei größere Kinder zu versorgen hat und sich um den Haushalt kümmern soll, ist in Spielfilmen so gut wie nie die Rede. Die amerikanische Drehbuchautorin Diablo Cody, selbst Mutter dreier Kinder, ändert das nun. Sehr realitätsnah schildert die Geschichte, die Regisseur Jason Reitman inszeniert hat, eine Frau, der die täglichen Aufgaben zu viel werden und die ihrem einstigen Studentenleben nachtrauert. Mit diesem Drama einer weiblichen Midlife-Crisis schließen Autorin Cody und Regisseur Reitman ihre Frauentrilogie ab, die mit "Juno" begann und mit "Young Adult" ihre Fortsetzung fand.

Charlize Theron, die schon in "Young Adult" die Hauptrolle spielte, überzeugt auch hier mit einer ähnlich uneitlen Darstellung. Die müde Marlo wirkt sehr authentisch und dabei schon eher unvorteilhaft, als sympathisch. Aber genauso echt erscheint sie dann auch, als sie wieder aufblüht, weil die Nacht-Nanny sie entlastet. Drew, der Ehemann, bringt sich zu wenig ein, er weiß gar nicht, wie es seiner Frau geht. Auch das ist sehr realitätsnah erzählt, vor allem auch, weil ihn das Drehbuch trotzdem nicht zum Buhmann erklärt. Tully hingegen wirkt geradezu aufreizend strahlend und perfekt, weshalb das Spiel von Mackenzie Davis auf merkwürdige Weise irritiert. Die Erklärung, die der Film schließlich dafür anbietet, kann nicht ganz befriedigen.

Denn Codys Drehbuchkonstruktion erweist sich als holprig und der Fokus auf die Überlastung der dreifachen Mutter als auf Dauer zu eng. Das liegt weniger am Thema selbst, als an der schematischen Gegenüberstellung von Wunsch und Wirklichkeit. Marlo sehnt sich die ganze Zeit danach, eine gute Mutter zu sein, das Baby zu genießen, mit den anderen Kindern zu spielen. Indem die Nanny Marlos Alltag den grauen Schleier entreißt, stößt sie die Entwicklung zu weit voran und beraubt sie der Dynamik eines wirklichkeitsnahen Hin und Her.

Fazit: Als letzter Teil einer Trilogie über Frauen in unterschiedlichen Lebensphasen, die mit "Juno" begann und mit "Young Adult" fortgesetzt wurde, widmet sich dieses Drama von Regisseur Jason Reitman und Drehbuchautorin Diablo Cody einer Mutter in der Midlife-Crisis. Charlize Theron spielt die Hauptfigur, die nach der Geburt ihres dritten Kindes in die Erschöpfung taumelt, betont unglamourös und dabei sehr realistisch. Der Drehbucheinfall, ihr eine perfekte Nacht-Nanny an die Seite zu stellen, die für Erholung und neue Lebensfreude in ihrem Alltag sorgt, erweist sich jedoch als merkwürdig wackelige Konstruktion. Denn der grauen Realität einfach eine gegenteilige Perspektive überzustülpen, raubt der Hauptfigur viel von ihrer inneren Dynamik.




Spielfilm.de-Mitglied werden oder einloggen.