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Kritik: Offenes Geheimnis (2018)

Kritiker-Bewertung: unterirdischschlechtmittelmässiggutweltklasse 3 / 5

"Offenes Geheimnis" ist der erste Film des iranischen Regisseurs Asghar Farhadi seit seinem Oscar-prämierten Drama "The Salesman" von 2016. Inspiration für sein erstes spanisches Werk fand Farhadi bei einer Spanien-Reise, die er vor 12 Jahren unternahm. Dort stieß er immer wieder auf Anzeigen, die auf die Entführung eines kleinen Mädchens hinwiesen. Laut eigener Aussage hatte Farhadi bereits beim Verfassen des Drehbuchs die beiden Hauptdarsteller, Cruz und Bardem, im Kopf. "Offenes Geheimnis" erlebte seine Weltpremiere bei den diesjährigen Filmfestspielen von Cannes.

Die Zutaten für Farhadis neuen Film sind stimmig und – für sich genommen – äußerst schmackhaft: Idyllische Drehorte, namhafte und charismatische Darsteller sowie ein spannender Who-Dunnit-Plot, eingebettet in ein emotionales Familiendrama. Genau bei letztgenanntem Punkt aber verhebt sich der iranische Filmemacher. Das Hauptproblem des in prächtige Aufnahmen der beeindruckenden spanischen Landschaften (das wird schon bei der Fahrt von Laura in ihre Heimat deutlich) gehüllten Films ist, dass sich Farhadi nie ganz zwischen Tragik und Spannung entscheiden kann. Oder anders formuliert: "Offenes Geheimnis" ist weder Fisch noch Fleisch – weder vollends überzeugendes Drama-Stück über familiäre Zerwürfnisse noch beklemmender Entführungsthriller mit zufrieden stellender Auflösung.

Dabei macht es zunächst durchaus Spaß zu grübeln, wer in das Verbrechen verwickelt sein könnte. Farhadi liefert dem Zuschauer einige in Frage kommende, mysteriöse Gestalten unter den Dorfbewohnern, denen man eine Entführung durchaus zutrauen würde. Zumal er zu Beginn einige unterschwellige Details einbaut und Fährten legt, die förderlich für die Spannung sind. Klassischer Who-Dunnit. Das Problem ist die Auflösung, die für wenig Befriedigung beim Betrachter sorgt, der zuvor noch so eifrig und fleißig mitgerätselt hat. U

Und die größte Schwierigkeit der in "Offenes Geheimnis" dargestellten Familienstreitigkeiten bzw. dramatischen Elemente: Alles wirkt zu übertrieben, zu gekünstelt, zu überladen. Und erinnert dabei vielfach an kitschige Episoden der Schwarzwaldklinik oder anderer angestaubter Klassiker der TV-Familienunterhaltung, wenn es innerhalb der Familie bald schon zu Eifersüchteleien, Missgunst, Habgier und dem Aufflammen alter Gefühle kommt.

Fazit: Trotz toller Darsteller, atmosphärischer Landschaftsbilder und einer anfänglich überzeugenden Krimi-Handlung kommt "Offenes Geheimnis" aufgrund einer ärgerlichen Auflösung und überzeichneter Beziehungsprobleme nicht übers Mittelmaß hinaus




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