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Mein Lotta-Leben - Alles Bingo mit Flamingo!
Mein Lotta-Leben - Alles Bingo mit Flamingo!
© Wild Bunch

Kritik: Mein Lotta-Leben - Alles Bingo mit Flamingo! (2018)

Kritiker-Bewertung: unterirdischschlechtmittelmässiggutweltklasse 4 / 5

Lotta und Cheyenne haben als Heldinnen einer 2012 begonnenen Kinderbuchreihe von Alice Pantermüller eine treue Fangemeinde. Nun bekommen sie unter der Regie von Neele Leana Vollmar ("Rico, Oskar und die Tieferschatten") ihr erstes Kinoabenteuer, mit einer neuen Geschichte, die aber auf den beiden ersten Bänden basiert. Der Film überzeugt mit seinem Witz und den gut getroffenen Mädchencharakteren. Er schlägt den richtigen Ton an zwischen Realitätsnähe, verspieltem Überschwang und den spöttisch gefärbten Betrachtungen der Ich-Erzählerin Lotta.

Im Zentrum der Geschichte steht die Freundschaft von Lotta und Cheyenne, in der es auch manchmal kriseln kann. Lotta versteht beispielsweise nicht, warum Cheyenne für ältere Jungen schwärmt, die ihre Schmeicheleien keineswegs erwidern. Cheyenne, köstlich draufgängerisch gespielt von Yola Streese, ist für die schrillen Töne und die frechen Auftritte zuständig. Was ihr einfällt, setzt sie unbekümmert um, und sei es, zum Casting für ein Video mit Marlon zu gehen, obwohl sie nicht alt genug dafür ist. Lotta, ebenfalls glaubhaft gespielt von Meggy Hussong, wirkt unscheinbarer, unauffälliger. Aber sie hat ihren eigenen Kopf und den braucht sie auch, um inneren Abstand zur trubeligen Familie mit den kleinen Brüdern und den Eltern, die sich manchmal anzicken, zu halten.

Ein gelungener Running Gag besteht darin, dass Lotta ihre ungeliebte Blockflöte loszuwerden versucht, was ihr aber wie verhext nicht gelingen will. Man muss des öfteren unwillkürlich auflachen, denn der Film steckt voller lustiger Einfälle. Spaß macht auch der selbstironische Auftritt des Popsängers Lukas Rieger als Marlon, der seine kreischenden Mädchenfans gerne etwas mehr auf Abstand halten würde.

Auch gestalterisch überzeugt der Film mit pfiffigen Einfällen. So hat Daniela Kohl, die Illustratorin der Buchreihe, kleine Skizzen im Comicstil beigesteuert: Ist Lotta wegen eines Streits mit Cheyenne geknickt, erscheint über ihrem Kopf eine kleine, in weißer Farbe gezeichnete Regenwolke. Ein-zweimal durchbricht Lotta als Erzählerin die vierte Wand und wendet sich mitten im Geschehen unvermittelt ans Publikum. Das wirkt nicht gewollt, sondern passt gut zur gewitzten Atmosphäre. In der Landschaft des deutschen Kinder- und Familienfilms sichert sich diese Produktion scheinbar mühelos den Rang einer vergnüglichen Sehenswürdigkeit.

Fazit: Unter der Regie von Neele Leana Vollmar gerät das Kinodebüt der beliebten Kinderbuchheldin Lotta beschwingt und vergnüglich. Das pfiffige, aber natürlich wirkende Mädchen und seine unbekümmert draufgängerische Freundin Cheyenne überzeugen als gut getroffene und gespielte Charaktere, die in der sozialen Hierarchie der Klasse nicht gerade oben stehen. Die Atmosphäre pendelt sich wie von selbst zwischen fröhlich getöntem Realitätssinn und possenhafter Zuspitzung ein, während die Geschichte dem Erleben der elfjährigen Ich-Erzählerin Lotta folgt. Die einfallsreiche Komik reizt wiederholt zu spontanem Auflachen.




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