VG-Wort
Die Domain Spielfilm.de verwendet Cookies für funktionale und analytische Zwecke. Durch die Nutzung unserer Seite erklärst Du Dich damit einverstanden. Weitere Cookie-Informationen findest Du hier.

Ok, einverstanden!

oder
If Beale Street Could Talk
If Beale Street Could Talk
© DCM GmbH / Tatum Mangus Annapurna Pictures DCM

Kritik: Beale Street (2018)

Kritiker-Bewertung: unterirdischschlechtmittelmässiggutweltklasse 5 / 5

"Beale Street" beruht auf dem gleichnamigen Roman des US-amerikanischen Autors James Baldwin, der sich in seinen Werken oft mit komplexen Themen wie Rassismus oder sexuelle Identität befasste. Der Roman erschien 1973. Inszeniert wurde "Beale Street" von Barry Jenkins, wie Baldwin ein schwarzer Künstler. Jenkins feierte seinen Durchbruch 2016 mit dem mehrfach Oscar-.prämierten Drama "Moonlight". Im vergangenen Jahr war er Jurymitglied bei den internationalen Filmfestspielen von Cannes.

Nur allzu leicht hätte aus "Beale Street" ein verkitschtes, vor Pathos triefendes (Liebes-) Drama werden können. Die Story allein, die nicht frei von dramatisierenden Elementen und Klischees ist, beinhaltet diese Gefahr: junger, farbiger Mann sitzt unschuldig im Gefängnis, während seine Freundin ein Baby erwartet und um die Freilassung des künftigen Vaters kämpft. Doch Jenkins gelingt es, seine Geschichte ohne bleierne Schwere und überzogene Emotionalität zu erzählen. Auch deshalb, da er – im wahrsten Sinne – eine ungemeine Nähe und Intimität zu seinen Figuren herstellt.

Jenkins greift dafür auf ein Stilmittel zurück, dessen er sich schon in "Moonlight" bediente: Immer wieder rückt er die Gesichter in sinnlichen Nahaufnahmen ins Zentrum, umkreist mit seiner Kamera die Figuren und lässt den Zuschauer auf diese Weise unmittelbar an den inneren Kämpfen und Seelenqualen der Protagonisten teilhaben. Und noch etwas eint "Moonlight" und den mit authentischem Bühnen- und Kostümdesign ausgestatteten "Beale Street". Jenkins schwelgt nämlich abermals in teils von rauschhaften, intensiven Farben geprägten, expressionistisch anmutenden Bildern – und verleiht seinem Film trotz des schweren, tragischen Themas damit immer wieder Hoffnung, Mut und Lebensfreude.

Oft sind es nur einzelne Gegenstände oder Kulissen im Hintergrund, die aufleuchten und mit ihrer Farbgebung aus der Szenerie herausstechen. Etwa wenn Tish und Fonny als Kinder gemeinsam in der Wanne planschen (der Film ist durchzogen von geschickt eingebauten Rückblenden) und das kraftvolle Hellblau der Badfliesen der Szene etwas Magisches verleiht. Oder wenn das erwachsene Liebespaar eines Abends im Regen eine spärlich beleuchtete Straße entlangläuft – und das glänzende Rot des Schirms den Zuschauer auf eine Weise gefangen nimmt, wie es einst der strahlende rote Mantel des Mädchens in "Schindlers Liste" tat. In "Beal Street" zeigt Jenkins darüber hinaus, wie der Zusammenhalt und die Kraft der Familie gegen jegliche Widrig- und Ungerechtigkeiten bestehen können. Eine essentielle Botschaft.

Fazit: Kraftvoller, lebensbejahender Mix aus Rassismus-, Familien- und Liebes-Drama, mit dem Barry Jenkins nach "Moonlight" sein zweites Meisterwerk innerhalb von drei Jahren abliefert.




Spielfilm.de-Mitglied werden oder einloggen.