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Lloronas Fluch
Lloronas Fluch
© Warner Bros.

Kritik: Lloronas Fluch (2018)

Kritiker-Bewertung: unterirdischschlechtmittelmässiggutweltklasse 3 / 5

Das Spielfilmdebüt des Regisseurs Michael Chaves, der mit der Inszenierung von "The Conjuring 3" beauftragt wurde, bewegt sich ebenfalls im Dunstkreis der "Conjuring"-Filme und nimmt sich einer im lateinamerikanischen Raum populären Schauerlegende an. Sie handelt von La Llorona, der Weinenden Frau, die einst eine glückliche Braut war und später von ihrem Mann betrogen wurde. Außer sich vor Schmerz ertränkte sie ihre Kinder im Fluss und nahm sich selbst das Leben. Seither geistert sie jedoch unter den Lebenden umher, um nach Kindern Ausschau zu halten, die sie mitnehmen kann. Eltern warnen ihre Kinder, dass La Llorona sie holt, wenn sie ungehorsam sind.

Die böse Geisterfigur erscheint 1973 in Los Angeles bei Patricia, die von ihr gehört hat und alles versucht, um ihre Kinder vor ihr zu verstecken. Doch die ahnungslose Sozialarbeiterin Anna funkt dazwischen. Patricia beschuldigt sie, schuld am Tod ihrer Kinder zu sein und wünscht, der Dämon solle nun auch Annas Kinder holen… Die Sozialarbeiterin findet einen Verbündeten im Schamanen Rafael (Raymond Cruz). Er ist bereit, sich mit ihr dem Kampf gegen die unheimliche, in Weiß gekleidete Gestalt zu stellen.

Eine Geistervertreibung mit Kerzenlicht, dem Kreuz in der Hand und allerhand Mittelchen, die das Böse in Schach halten sollen, nimmt ihren Lauf. Rafael hat beispielsweise in einem Fläschchen Lloronas Tränen gesammelt, die er als Gegengift einsetzen will. Schon als Anna zum ersten Mal nachts durch die Räume läuft, weil Türen quietschen oder schlagen, wartet man bang auf den Moment des Erschreckens. La Llorona selbst steht oft zunächst einfach nur da als schemenhafte Figur. Aber sie kann, wie sich das für einen schrecklichen Geist gehört, Distanzen blitzschnell überwinden und sie ist Menschen an Kraft haushoch überlegen.

Die häufige Dunkelheit und das langsame Zusteuern auf die Schreckensmomente sorgen gekonnt für Nervenkitzel. Obwohl das Subgenre der Geister- und Dämonenfilme im Zuge des Bedeutungsverlusts der Religion seinen Zenit wohl überschritten hat, rückt das Thema hier aufgrund der existierenden Legende auch wieder ein Stück näher an die Vorstellungswelt der Zuschauer heran. Leider aber wirken die Figuren sehr funktional und nur knapp skizziert. Vor allem aber fehlt dem Film das Gespür für die Trauer, die diesen bösen Geist umgibt. Das unterscheidet ihn beispielsweise vom Horrorfilm "Mama" aus dem Jahr 2013, in dem das Mitgefühl für die gefürchtete übernatürliche Gestalt von zentraler Bedeutung ist.

Fazit: Mit seinem Spielfilmdebüt stellt der Regisseur Michael Chaves ein Händchen für das Horrorgenre unter Beweis. Angst und Schrecken werden stilvoll geschürt in dieser Geistergeschichte, die auf der im lateinamerikanischen Raum weitverbreiteten Legende einer um ihr Glück betrogenen Frau, die ihre Kinder umbrachte, basiert. Seither spukt sie herum, um sich andere Kinder zu holen. Allerdings beeinträchtigt es die filmische Wirkung, dass sich das Leid der bösen Gestalt nur wenig mitteilt.




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