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Kritik: The Prodigy (2018)

Kritiker-Bewertung: unterirdischschlechtmittelmässiggutweltklasse 4 / 5

Der Horrorfilm, den der amerikanische Regisseur Nicholas McCarthy ("The Pact") nach einem Drehbuch von Jeff Buhler ("The Midnight Meat Train") inszeniert hat, erinnert mit seinem Thema an "Der Exorzist". Dieser Klassiker weckte in McCarthy, als er noch minderjährig war, die Begeisterung für das Horrorfilmgenre. In "The Prodigy" soll an dem Jungen Miles mit Hypnose die Vertreibung eines bösen Geists vorgenommen werden – und seine Mutter Sarah, die zur eigentlichen Hauptperson des Films gerät, will ihn zunächst aus Sorge, er könnte dabei Schmerzen erleiden, vor solch einem Exorzismus bewahren.

Was den durchgehend spannenden Film von ähnlichen Geschichten unterscheidet, ist der Einfall mit der Wiedergeburt: In Miles wohnen zwei Seelen, seine eigene und die des Besatzers, der alleine in seinem Körper herrschen will. So wirkt die wieder einmal heraufbeschworene Angst vor dem Bösen im Kinde, einem zweiten Gesicht, das sich hinter einer Maske der Unschuld und Schutzbedürftigkeit verbergen könnte, logisch ziemlich plausibel. Statt eines Teufels oder Gespenstes ist hier lediglich die Seele eines anderen Menschen der Feind. Dabei ist dieser Besatzer des Kinderkörpers, wie eine anfängliche Parallelhandlung offenbart, allerdings ein grässlicher Psychopath.

Am existenziellen psychologischen Krieg, der sich in Miles, wie der Experte Arthur Jacobson vermutet, abspielen muss, fiebert das Publikum intensiv mit. Miles wirkt stets undurchsichtig, verschlagen. Selbst Sarah, die überaus zugewandte und aufmerksame Mutter, versteht nicht, was Miles ihr sagen will, oder sie will nicht wahrhaben, was seine alarmierenden Hinweise wirklich bedeuten.

Schritt für Schritt schreitet die Handlung auf dem Pfad des Horrors voran, indem Mutter und Kind zunehmend von anderen Personen isoliert werden. Wenn sich Sarah nachts ins Bett legt, mit dem unheimlichen Jungen im selben Haus, beginnt man um ihr Leben zu fürchten. Der Film hält sich inhaltlich in genau dem richtigen Maße bedeckt, so dass nie zu erraten ist, was einen hinter der nächsten Ecke erwartet. Es bleiben mehrere Varianten, wohin das Ganze führen könnte, vorstellbar, selbst als Sarah auf überraschende Weise aktiv zu werden beschließt. Dieser letzte Akt mag zwar, gerade was ihre Figur betrifft, etwas unglaubwürdig und bemüht wirken, aber der Spannung tut auch das keinen Abbruch.

Fazit: Der Horrorfilm von Regisseur Nicholas McCarthy und Drehbuchautor Jeff Buhler schürt gekonnt die uralte Angst vor dem Bösen im Kinde. Ein Geist sehr irdischer Herkunft hat sich im Körper eines Jungen eingenistet und droht, dessen eigene Seele auszulöschen. Die Undurchschaubarkeit des Kindes und die dramatischen Versuche seiner Mutter, es zu retten, verleihen der Geschichte eine durchgehend hohe Spannung. Man muss auch nicht im engeren Sinn an Geister und Dämonen glauben, um diesen Nervenkitzel als gelungen und treffsicher zu empfinden.






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