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Kritik: Destroyer (2018)

Kritiker-Bewertung: unterirdischschlechtmittelmässiggutweltklasse 3 / 5

Mit "Destroyer" setzt die Regisseurin Karyn Kusama ("Girlfight – Auf eigene Faust", "The Invitation") auf Basis eines Skripts des Duos Phil Hay und Matt Manfredi ein Konglomerat aus tragischem Charakterstück und Neo-Noir-Thriller in Szene. Sowohl die Figurenzeichnung als auch der Plot sind durchaus klassisch, erhalten aber durch eine Neuverteilung der Geschlechterrollen einen modernen und interessanten Anstrich: Der üblicherweise männliche hard-boiled detective, der seinen Ermittlungen mit extremem Zynismus nachgeht und sich dabei stets nur den eigenen Vorstellungen von Recht und Gerechtigkeit verpflichtet fühlt, ist hier eine Frau – eine Anti-Heldin, die von Hollywood-Superstar Nicole Kidman mit Hingabe verkörpert wird. Hinzu kommt eine clevere Erzählstruktur.

Zu Beginn sehen wir, wie die Polizistin wie eine lebende Tote an einem Tatort erscheint, nachdem sie die Nacht offenbar in ihrem Wagen verbracht hat. Ihre Vergangenheit, die im Laufe des Films in fragmentarischen Rückblenden beleuchtet wird, hat Spuren in ihrem Gesicht, auf ihrem Körper und vor allem auf ihrer Seele hinterlassen; zudem ist ihr die Alkoholsucht deutlich anzumerken. Kidman wirft sich furchtlos und eindrücklich in diesen Part; gleichwohl bleiben die ausgetrocknete Haut, die Altersflecken und das ergraute, ungepflegte Haar immer als Maske erkennbar. Authentischer als Kidmans Aufmachung sind wiederum die Bilder der Kamerafrau Julie Kirkwood: Die bleierne Hitze, der Schmutz und der Staub von Los Angeles werden perfekt erfasst; schon lange sah die "Stadt der Engel" mit ihren endlosen Highways und schummrigen Bars nicht mehr so unglamourös und lebensfeindlich aus. Der Score von Theodore Shapiro trägt oft gelungen zur Atmosphäre bei, neigt allerdings an manchen Stellen auch zur Übertreibung.

Toby Kebbell ("Warcraft – The Beginning", "Ben Hur") hat einige prägnante Auftritte als perfider Gang-Anführer; die Chemie zwischen Kidman und ihrem Leinwandpartner Sebastian Stan (bekannt als Winter Soldier aus dem Marvel Cinematic Universe) ist bemerkenswert, auch wenn die entstehende Liebe zwischen ihren beiden Figuren eher eine Behauptung des Drehbuchs bleibt. Zu den besten Momenten zählt indes ein Dialog zwischen Kidman und ihrer Film-Tochter Jade Pettyjohn – eine Szene voller Schmerz und großem Bedauern.

Fazit: Eine reizvolle Mischung aus Drama und Crime. Nicht alles vermag zu überzeugen; dennoch sind insbesondere die Leistungen von Hauptdarstellerin Nicole Kidman und Kamerafrau Julie Kirkwood bravourös.




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