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Kritik: Kirschblüten & Dämonen (2018)

Kritiker-Bewertung: unterirdischschlechtmittelmässiggutweltklasse 3 / 5

Wie im Film sind auch im wahren Leben zehn Jahre seit Doris Dörries "Kirschblüten – Hanami" vergangen. Das melancholische (Sterbe)-Drama bedeutete damals das erfolgreiche Comeback einer in den 80er- und 90er-Jahren gefeierten Regisseurin ("Männer", "Bin ich schön?"), deren letzter Kassenhit zur der Zeit viele Jahre zurücklag. Für "Kirschblüten und Dämonen" konnte Dörrie erneut Elmar Wepper und Hannelore Elsner als Rudi und Trudi sowie Aya Irizuki als Yu gewinnen. Es ist Dörries erster Film seit "Grüße aus Fukushima" (2016).

In "Kirschblüten und Dämonen" ist es die nächste Generation, der Sohn von Rudi und Trudi, die Dörrie in den Mittelpunkt ihrer (philosophischen) Betrachtungen rückt. Mit dem Zuschauer begibt sie sich auf die Suche nach Karls verdrängten Wünschen, Sehnsüchten, dessen inneren Dämonen und den Kindheitserinnerungen. Und es ist eine höchst spirituelle, meditative Reise, die man in der Fortsetzung des Erfolgsfilms "Kirschblüten – Hanami" antritt. Die meiste Zeit über hält Dörrie den Kinobesucher etwa im Ungewissen darüber, ob es sich bei Rudi und Trudi, wie sie plaudernd mit ihrem Sohn am Esstisch sitzen, um Wesen aus dem Geisterreich handelt – oder um fragmentarische Erinnerungen Karls an tatsächliche Begebenheiten aus der Vergangenheit.

Hinzu kommt eine Vielzahl unwirklicher Begebenheiten und surrealer Elemente: traditionelle japanische Masken, ein geheimnisvoller Dämon, Geisterwesen, mystische sowie die Geschlechterrollen hinterfragende Kunstformen und Tänze und viele weitere Anspielungen auf die japanische Geschichte, Kunst und Kultur (von der Dörrie seit vielen Jahren begeistert ist). Dies alles verleiht dem mit tollen Landschaftsaufnahmen garnierten Film eine tiefsinnige, mythische Aura, der man sich schwer entziehen kann.

Allerdings setzt Dörrie auch viel Wissen um die Personen und die Geschehnisse aus dem ersten Teil voraus. Mit den vielen Andeutungen und Hinweisen auf diesen werden daher all jene Probleme haben, die "Kirschblüten – Hanami" nicht kennen. Auch die Charakterzeichnung einiger Figuren enttäuscht. Dies betrifft mit den Geschwistern (wieder gespielt von Birgit Minichmayr und Felix Eitner) von Karl ausgerechnet zwei Personen, die eine nicht unwichtige Rolle in seinem Leben spiel(t)en. Deren Handlungsmotivationen und Ansichten bleiben aber derart vage und schwer nachvollziehbar, dass Karls Bruder und Schwester bis zum Schluss wie Fremdkörper in diesem Film wirken.

Fazit: Zwischen Japan und dem Allgäu: Spirituell-surreale, gefühlvoll erzählte Suche nach der eigenen Identität mit Schwächen bei der Figurenzeichnung.




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