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Kritik: Beach Bum (2019)

Kritiker-Bewertung: unterirdischschlechtmittelmässiggutweltklasse 4 / 5

Der amerikanische Regisseur Harmony Korine ist immer wieder für provokante, satirische Filme gut, die den amerikanischen Traum und die bürgerliche Doppelmoral auseinandernehmen. Nach dem bissigen "Spring Breakers" von 2012 setzt er dem Klischee eines ungenierten Lebenskünstlers ein Denkmal, das polarisiert. Moondog, der Name des Helden, verweist darauf, dass dieser ein Streuner und Nachtschwärmer ist.

Am liebsten liegt Moondog mit einem Joint in der Hand und einem Drink in der anderen auf dem Deck eines Bootes, in Gesellschaft schöner Frauen. Oder er taumelt durch den Ort, legt in Bars ungefragt den Arm um andere Gäste, tanzt vor Freude jauchzend mit Zufallsbekanntschaften. Irgendwann trägt er dann nur noch Frauenkleider, und wenn ihm die Abendsonne auf den berauschten Kopf scheint, kann es sein, dass er einfach nur dastehen will, um das Wunder des Augenblicks genießen. In seiner Welt gibt es keine Regeln. Er reißt auf der Hochzeit seiner Tochter zotige Sprüche, kifft praktisch ununterbrochen, verneint damit tendenziell allen Sinn, der nicht der eigene ist. Sobald Moondog auftaucht, ist keine bürgerliche Fassade mehr davor gefeit, eingerissen zu werden. Auch Minnie, die Superreiche, kann so lotterhaft sein, sie hat das Geld, um sich exzentrisch zu verhalten und beispielsweise Sex mit Moondog zu haben, während ihr die Kosmetikerin die Füße pflegt. Als Moondog dann aus der Rehaklinik ausbricht und zum Beach Bum, dem Obdachlosen, wird, sucht er die Gesellschaft von Leuten, die ihn ein Stück weit mitnehmen. Auf einmal tippt und tippt er überall, am Strand, zwischen zwei Drinks, nie nüchtern, vor allem das nicht.

Ist dies nun eine Huldigung an die Inspiration, die die Sinnenfreude einem Künstler vermittelt? Ist dies eine Huldigung des Strebens nach Glück, wie es in der amerikanischen Verfassung verankert ist? Oder will Korine vielmehr den bürgerlichen Träumen vom Paradies zur kruden Kenntlichkeit verhelfen und zeigen, wie schal, wie verkommen, wie verantwortungslos die Wünsche sind, denen wir alle insgeheim folgen? Matthew McConaughey ist eine Schau als dieser blonde, langhaarige Rauschmittel-Apostel mit dem Ausdruck befreiter Lust. Er könnte als egoistische Variante einer messianischen Figur, als gefallener Engel, als Satyr aufgefasst werden. Und als Kristallisationspunkt für dieses Licht, diese Farben Floridas zwischen Sommersonne und Partynächten. Und für diese fantastischen Popmusik-Klassiker, die von Ausbruch und vom Wildsein handeln.

Fazit: Der amerikanische Regisseur Harmony Korine huldigt auf doppelbödige, provokante Weise dem Traum vom Glück und vom ewigen Partysommer. Matthew McConaughey brilliert in der Rolle eines dauerbekifften Streuners, der sich in kein bürgerliches Korsett zwingen lässt. Er ist ein Satyr, ein in den Glücksrausch, den Floridas sonnenverwöhnte Küste verheißt, gefallener Engel und zugleich ein Poet. Mit seinen Exzessen wird er für die Zuschauer zur faszinierenden, aber auch abstoßenden Figur.




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