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Kritik: Long Shot - Unwahrscheinlich, aber nicht unmöglich (2019)

Kritiker-Bewertung: unterirdischschlechtmittelmässiggutweltklasse 3 / 5

Charlize Theron und Seth Rogen als Turteltauben? So mancher dürfte angesichts dieser Paarung skeptisch werden. Zu unterschiedlich erscheinen die beiden Schauspieler, als dass man ihnen eine romantische Beziehung abnehmen könnte. Die von Jonathan Levine ("Mädelstrip") inszenierte, Geschlechterrollen hinterfragende Komödie "Long Shot – Unwahrscheinlich, aber nicht unmöglich" beweist jedoch das Gegenteil und zeigt zwei Darsteller, die sich überraschend gut ergänzen und dem Geschehen eine erfrischende Dynamik geben. Theron und Rogen werden vielleicht nicht das neue Traumpaar Hollywoods. Lustige und berührende Momente sind dank ihres energiegeladenen Leinwandtangos allerdings garantiert.

Levine und seine Drehbuchautoren Liz Hannah und Dan Sterling zeichnen ihre Protagonisten betont gegensätzlich und machen dabei auch vor Übertreibungen nicht Halt. Während sich der chaotische Journalist Fred Flarsky (Rogen) am liebsten in ausgewaschene Sportklamotten wirft und stets einen leicht verlotterten Eindruck macht, präsentiert sich seine frühere Babysitterin Charlotte Field (Theron), die er auf einer Spendengala wiedertrifft, als elegante und smarte Staatsfrau. Umso erstaunlicher ist es, dass die amtierende, den Präsidentenposten anstrebende US-Außenministerin ausgerechnet ihren alten, allein optisch so gar nicht aufs Parkett der internationalen Politik passenden Schützling zum Aufpolieren ihrer Reden engagiert.

Hat man anfangs vielleicht noch Zweifel, dass die Annäherung zwischen der Powerfrau und dem Idealisten während einer weltweiten Werbetour für eine große Umweltinitiative glaubhaft sein könnte, belehren Theron und Rogen den Zuschauer schnell eines Besseren. Ihre Interaktion macht definitiv einen Großteil des Reizes von "Long Shot" aus. Bereichernd sind aber auch die regelmäßig eingestreuten gesellschaftskritischen und politischen Spitzen. In Gestalt des selbstverliebten, inkompetenten US-Präsidenten Chambers (Bob Odenkirk), der an Stelle einer zweiten Amtszeit eine Kinokarriere anstrebt, ziehen Levine und seine Mitstreiter unverkennbar über den derzeit im Weißen Haus residierenden Donald Trump und dessen fragwürdiges Wirken her. Ins Visier gerät ferner der rechtspopulistische Medienbetrieb. Nicht umsonst taucht mit dem schmierigen Parker Wembley (Andy Serkis) eine Figur auf, die verdächtig an den ehemaligen Breitbart-Chef und Trump-Strategen Steve Bannon erinnert. Aufs Korn nimmt der Film zudem den unsäglichen Sexismus, mit dem sich erfolgreiche Frauen in prominenten Positionen nach wie vor konfrontiert sehen. Im Falle Charlottes stehen erschreckend oft nicht ihre Leistungen, ihre Arbeit und ihr Programm im Mittelpunkt, sondern ihr Aussehen und ihr Geschlecht.

Untergraben werden die satirischen Bemerkungen und Anspielungen jedoch ein ums andere Mal durch einen eher grob gestrickten Slapstick- und Genitalhumor, der keineswegs immer zünden will. Manche derbe Späße und Entgleisungen – etwa den in Seth-Rogen-Komödien fast schon obligatorischen Drogentrip – hätte es wohl nicht gebraucht. Dass "Long Shot" trotz seiner spielfreudigen Hauptdarsteller und einer Reihe gelungener Pointen ein paar Wünsche offen lässt, liegt nicht zuletzt an der gerade gegen Ende recht formelhaften Dramaturgie. Statt die in der Geschichte steckende anarchische Energie zu forcieren, klammert sich das Drehbuch hier zu sehr an die Konventionen der klassischen Romantic Comedy.

Fazit: Jonathan Levine gelingt ein lustiger, kurzweiliger Liebesfilm mit gut aufgelegten Hauptdarstellern, der auf einige platte Gags und mechanische Handlungsvolten allerdings besser verzichtet hätte.




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