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Kritik: Der Distelfink (2019)

Kritiker-Bewertung: unterirdischschlechtmittelmässiggutweltklasse 2 / 5

Der US-amerikanischen Schriftstellerin Donna Tartt gelang mit ihrem 2013 veröffentlichten, vierten Roman "Der Distelfink" ein weltweiter Erfolg, der Tartt schließlich auch den Pulitzer-Preis einbrachte. Beim "Distelfink" handelt es sich um den bisher letzten, ins Deutsche übersetzten Roman der 55-Jährigen. Die Dreharbeiten für die Verfilmung begannen Anfang 2018 in und um New York. Weitere Aufnahmen fanden unter anderem in Amsterdam und Albuquerque statt. Weltpremiere war im Herbst 2019 auf dem Toronto Filmfest.

Allein die Entscheidung, Tartts epochalen Wälzer zu verfilmen, zeugt von Kühnheit und Mut. Zeichnete sich das Buch doch in erster Linie durch die langen, ausladenden Zustandsbeschreibungen des Seelenlebens der Hauptfigur aus. Und den von der Schriftstellerin einnehmend nachgezeichneten Kampf Theos gegen die eigenen Dämonen, dem Ringen mit sich selbst. Dies in Bilder zu kleiden sowie in ein visuelles Medium zu überführen, stellte die große Herausforderung dar. Leider gelingt es Regisseur John Crowley nun tatsächlich nur unzureichend, die Befindlichkeiten und den inneren Antrieb der Hauptfigur glaubhaft nach außen zu kehren und für den Betrachter greifbar zu machen.

Geschuldet ist dieser Umstand vor allem der Tatsache, dass der Film auf wichtige, für das vollumfängliche Verständnis der Geschichte entscheidende Informationen und Inhalte verzichtet – oder sie dem Zuschauer erst viel zu spät zukommen lässt. Denn Crowley hält sich nicht an Struktur, Aufbau und Chronologie des Buches. Somit erschließen sich oftmals bestimmte Verhaltensweisen der unterschiedlichen Charaktere - die in unglaublich hoher Anzahl auftreten -, allen voran natürlich jene von Theo, nicht wirklich.

Die stärkste Episode des Films ist jene, die sich der beginnenden Freundschaft zwischen Theo und Boris widmet, was vor allem am erfrischenden, befreienden Spiel von Wolfhardt liegt. Auch Nicole Kidman als besorgte, fürsorgliche "Ersatzmutter" brilliert. Schauspielerisch zu überzeugen vermag Hauptdarsteller Ansel Elgort hingegen leider nur bedingt. Die Rolle des traumatisierten, stets von seiner Drogensucht begleiteten und ungemein getrieben wirkenden Theo Decker erweist sich für den charismatischen "Baby Driver" als eine Nummer zu groß.

Fazit: Zerfahren, vage, lückenhaft: Der Verfilmung des Roman-Welterfolgs gelingt es trotz vielversprechender Ansätze nicht, die Epik und das fragile emotionale Gefüge der Hauptfigur glaubhaft und vollends überzeugend auf die Leinwand zu übertragen.




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