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Kritik: Leberkäsjunkie (2019)

Kritiker-Bewertung: unterirdischschlechtmittelmässiggutweltklasse 3 / 5

Die bayerischen Krimis von Rita Falk, in denen sich der Dorfpolizist Franz Eberhofer am besten mehrmals täglich von seiner Oma bekochen lässt, sind Erfolgskomödien. Und die fünf seit 2013 entstandenen Verfilmungen von Regisseur Ed Herzog mit Sebastian Bezzel in der Hauptrolle haben insgesamt 3,4 Millionen Kinobesucher angelockt, hauptsächlich in Bayern. Jetzt, beim sechsten Film der Reihe, geht es in erster Linie darum, die Erwartungen des Stammpublikums nicht zu enttäuschen. Man soll sich freuen können am Wiedersehen mit Franz und den beliebten, urigen Charakteren aus seinem Umfeld. Sie sollen ihren gewohnten Vorlieben frönen und sich dabei auf lustige Weise in die Haare kriegen. Ein bisschen etwas Neues aber muss es bei ihnen schon auch geben.

Neuerdings bekommt Franz die deftige bayerische Hausmannskost nicht mehr. Sein Verdauungsapparat braucht dringend Erholung, was aber seine Gelüste nicht einsehen wollen. Neuerdings rückt auch die große weite Welt näher an Niederkaltenkirchen heran, zum Ausgleich dafür, dass Franz von dort nicht wegkommt. Die Tote kam aus München, ein geplanter Hotelbau spaltet das Dorf und im Haus der Mooshammerin wohnt Buengo (Castro Dokyi Affum). Der Schwarze wird von einigen lokalen Dumpfbacken rassistisch angefeindet. Er landet nach dem Leichenfund in Untersuchungshaft, was der Bürgermeister (Thomas Kügel) gar nicht gut findet. Denn die örtliche Fußballmannschaft kann ohne den begnadeten Spieler kaum ein Match gewinnen.

Für die größte Überraschung aber sorgt die Neuerung, dass Papa Eberhofer der Liebe begegnet! Bislang machte der lässige Dauerkiffer stets den Eindruck, als sei ihm jede Störung zuwider. Nun aber zeigt er sich von einer anderen Seite und Darsteller Eisi Gulp kann seine sympathische Rolle, in der er oft markige, authentisch wirkende Sprüche klopft, ein wenig ausbauen. Die Buchvorlage hätte diesbezüglich auch noch mehr Stoff geboten, schade dass der Film sie nicht stärker nutzt.

Was sonst noch auffällt, ist eine gewisse Betonung des klamaukigen Stils, der Übertreibung. Die Mooshammer Liesl wirkt grotesk überzeichnet, Franz veranstaltet aus Frust die unwahrscheinlichsten Fressorgien. Die Musik gibt mit treibendem Gute-Laune-Gedudel den Takt vor. Der Film bereitet Vergnügen, aber am Limit dessen, was noch als Satire echten Provinzlebens glaubwürdig sein kann.

Fazit: Der sechste Film, der auf den Eberhoferkrimis der Schriftstellerin Rita Falk basiert, bietet eine vergnügliche Begegnung mit urigen Charakteren aus der bayerischen Provinz. Regisseur Ed Herzog scheint bereits gut zu wissen, wie das Publikum den Dorfpolizisten Franz Eberhofer und sein angestammtes Umfeld sehen will. Das komödiantische Erfolgsmuster wird noch mit einem Tusch hier, einem Paukenschlag da possenhaft betont. Wie so oft in Fortsetzungen, zieht ein Nebencharakter besondere Aufmerksamkeit auf sich, hier ist es der von Eisi Gulp unnachahmlich gut interpretierte Papa Eberhofer.




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