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Kritik: Parasite (2019)

Kritiker-Bewertung: unterirdischschlechtmittelmässiggutweltklasse 5 / 5

"The Host", "Mother", "Snowpiercer" – in den letzten Jahren bescherte der Südkoreaner Bong Joon-ho dem Kinopublikum so manchen packenden Genre-Mix. Mit dem Cannes-Gewinner "Parasite" legt der Regisseur und Drehbuchautor nun auf famose Weise nach. Im Zentrum der Handlung steht die verarmte Familie Kim, die in einer ranzigen Souterrainwohnung ein überaus bescheidenes Leben führt. Dessen Ende scheint allerdings in Sicht, als Sohnemann Ki-woo (Choi Woo-sik) von einem alten Schulfreund gebeten wird, vorrübergehend der Tochter der reichen Parks Nachhilfeunterricht in Englisch zu geben. Der Gefragte wittert eine große Chance, putzt sich heraus und gewinnt gleich beim ersten Treffen das Vertrauen seiner neuen Arbeitgeberin (Jo Yeo-jeong). Mehr noch: Schon bald kann er mit kleinen Intrigen und Tricksereien seine Schwester Ki-jung (Park So-dam) und seine Eltern Ki-taek (Song Kang-ho) und Chung-sook (Jang Hye-jin) in den wohlhabenden Haushalt einschleusen. Die Glückssträhne droht jedoch abzureißen, als die Kims eine schockierende Entdeckung machen.

Selten hat es in letzter Zeit ein Film geschafft, derart behände zwischen den Genres hin- und herzuwechseln wie "Parasite". Mal gibt sich Bongs neuestes Werk als spannender Home-Invasion-Thriller, mal als absurde Komödie, mal als Drama und dann wieder als bissige Gesellschaftsfarce. Ton und Stimmung verschieben sich ständig, was das Geschehen erfrischend unberechenbar macht. Neben zahlreichen kleinen Wendungen hat das klug konstruierte, mit versteckten Hinweisen garnierte Drehbuch im Mittelteil eine echte Überraschung in petto, die das Ganze kurzzeitig sogar in eine düstere Horrorrichtung zu lenken scheint.

Einen bleibenden Eindruck hinterlässt "Parasite" auch deshalb, weil er kein einseitiges, ausschließlich gegen die leichtgläubigen, oberflächlichen Parks gerichtetes Bild entwirft. Zwar drückt man den gewieften, gut eingespielten Kims immer wieder die Daumen und verfolgt ihr Aufbegehren mit einigem Amüsement. Gleichzeitig verschleiert der Regisseur aber nicht, dass ihr Vorgehen moralisch höchst verwerflich ist. Ihren Traum von einem besseren Leben realisieren sie auf dem Rücken der bisherigen Bediensteten, die durch die perfiden Betrügereien ihre Jobs verlieren. Der garstige, hier skizzierte Klassenkampf kennt – so viel darf man ruhig verraten – am Ende keine Gewinner und bewahrt sich damit eine faszinierende Ambivalenz.

Gegossen ist die clever strukturierte, überzeugend zwischen Spannung und Humor changierende Handlung in sorgsam komponierte Aufnahmen, in denen die sozialen Unterschiede manchmal allein durch eine Kamerabewegung zum Ausdruck kommen. Neben dem Inhaltlichen glänzt also auch das visuelle Konzept.

Fazit: Packend, lustig, nachdenklich stimmend und stark bebildert – "Parasite" ist definitiv einer der Filme, die man dieses Jahr im Kino nicht verpassen sollte.




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