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Le Mans 66 - Gegen jede Chance
Le Mans 66 - Gegen jede Chance
© 20th Century Fox

Kritik: Le Mans 66 - Gegen jede Chance (2019)

Kritiker-Bewertung: unterirdischschlechtmittelmässiggutweltklasse 3 / 5

Diese Geschichte handelt von Männern mit Macht und mit Leidenschaft. Jene mit Leidenschaft, nämlich der Rennfahrer Ken Miles und sein Freund, der Sportwagenkonstrukteur Carroll Shelby, müssen sich mit dem mächtigen Konzernchef Henry Ford II arrangieren. Denn nur wenn Geld, Vision und Können zusammenkommen, entsteht vielleicht ein Auto, das schnell genug ist, um die Ferraris 1966 beim 24-Stunden-Rennen von Le Mans abzuhängen. Regisseur James Mangold ("Walk the Line") und seine Drehbuchautoren sympathisieren eher mit dem Draufgänger Ken Miles als mit Henry Ford II und schicken Shelby, der zwischen beiden vermitteln muss, in eine Bewährungsprobe als Freund und überhaupt als Mensch, der sich nicht knechten lässt. Das Ergebnis ist eine Hommage an Männer, die die amerikanischen Werte vertreten, den Mut der Cowboys und den Willen, sich nicht mit dem zweiten Rang zufrieden zu geben. Dabei wird so gut wie kein Klischee ausgelassen, bis hin zur Ehefrau (Caitriona Balfe), die brav, voller Sorgen und Bewunderung, hinter ihrem Mann Ken Miles steht.

Europäische Leichtigkeit und mondänes Flair bekommt man in diesem Film über das Rennen in Frankreich nicht geboten. Und wer glaubt, der Film erzähle die Ereignisse so, wie sie sich wirklich zutrugen, wird über einige Retuschen hier und dort staunen. Beispielsweise traten in Wirklichkeit Ford, Shelby und Miles in Le Mans nicht erst 1966 an.

Mangold erzählt mit viel Freude am Detail und an langgedehnten Szenen über die Tüftler Shelby und Miles, über ihren Fleiß und Ehrgeiz. Miles hört beim Testfahren, was dem neuen Auto fehlt, er nennt es "Mädchen". Christian Bale spielt ihn überzeugend als tollkühnen und genialen Autonarr. Miles ist aber auch ein guter Vater eines kleinen Sohnes. Matt Damon bewährt sich als Shelby in einer komplexeren Rolle, er will Ford nicht verprellen und seinen Freund auch nicht, er taktiert, laviert, trickst schelmisch, muss jedoch irgendwann Farbe bekennen.

Am Thema Autorennen ist Mangold schon auch interessiert, über diese relativ dröge Männerfreundschaft und das ebenfalls betulich erzählte Hickhack der beiden Männer mit Ford hinaus. Die Zuschauer können sich sogar auf atemberaubend gefilmte Rennszenen freuen, einschließlich der Testfahrten. Den visuellen Genuss erhöhen das Cinemascope-Format, die herrlichen Farben, die Nähe und Unmittelbarkeit, die die Aufnahmen suggerieren.

Fazit: James Mangolds Rennfahrerfilm stützt sich zwar auf wahre Ereignisse, wenn er erzählt, wie sich der amerikanische Autobauer Ford anschickte, das 24-Stunden-Rennen von Le Mans 1966 zu gewinnen. Aber er modelliert sie auch nach zu einer klischeehaften Huldigung der amerikanischen Werte, des traditionellen Männerbilds und der Männerfreundschaft zweier Rennfahrer und Autonarren. Matt Damon und Christian Bale sind in den Hauptrollen gut besetzt, aber ihre Charaktere wirken etwas hölzern. Mehr Vergnügen bereiten da schon die herrlichen Cinemascope-Aufnahmen und vor allem die spannenden Rennszenen.




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