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Lassie - Eine abenteuerliche Reise
Lassie - Eine abenteuerliche Reise
© Warner Bros.

Kritik: Lassie - Eine abenteuerliche Reise (2019)

Kritiker-Bewertung: unterirdischschlechtmittelmässiggutweltklasse 2 / 5

Jede Generation hat ihre eigene Lassie. Die treue Hündin erblickte 1938 in der Kurzgeschichte "Lassie Come Home" das Licht der Welt. Seither hat sie es ins Kino, ins Fernsehen und in weitere Bücher geschafft. Schon 1943 wurde der Stoff erstmals verfilmt (es war der zweite Leinwandauftritt für die damals zehnjährige Elizabeth Taylor, die Priscilla spielte) und hat bis dato zahlreiche Fortsetzungen und Neuauflagen erfahren. Zuletzt nahm sich 2005 ein internationaler und prominent besetzter Film der tierischen Titelheldin an. Nun wagt sich erstmals eine deutsche Produktion an die Vorlage des Schriftstellers Eric Knight.

Mit Sebastian Bezzel und Anna Maria Mühe, Matthias Habich und Justus von Dohnányi, Jana Pallaske, Johann von Bülow und Christoph Letkowski ist auch diese Version für hiesige Verhältnisse zugkräftig besetzt. Statt die Vorlage ins historische Gewand zu kleiden, wie es die 2005er-Verfilmung tat, versetzt Drehbuchautorin Jane Ainscough die Geschichte ins Hier und Jetzt. Das Ergebnis ist eine Mischung aus nostalgischem Blick und dessen moderner Dekonstruktion. Ein aussterbendes Gewerbe wie die Glasbläserei wird beweint, die antiquierte Lebensweise des Grafen verlacht. Und die Suche nach der entlaufenen Lassie geht im 21. Jahrhundert freilich mit Smartphone und Internet vonstatten. Dank toller Landschaftsaufnahmen und schmucker Kulissen sieht das Ganze prächtig aus.

Wie seine Autorin Ainscough ("Hanni & Nanni") kennt sich auch der Regisseur Hanno Olderdissen ("Rock My Heart", "Wendy 2") mit Kinder- und Jugendfilmen aus. Seinem neuesten Abenteuer mangelt es aber sowohl an gut geschriebenen Kinderfiguren als auch an überzeugenden Nachwuchsdarstellern. Die Rolle des zwölfjährigen Florian steckt zwischen Heulsuse und Trotzkopf fest und entwickelt sich während der Handlung keinen Deut weiter. Darsteller Nico Marischka holt noch das Beste aus diesem furchtbar zweidimensionalen Charakter heraus, vermag es allerdings nie, die Hauptfigur zu einem echten Sympathieträger zu machen.

Dass sich die Handlung schnell in diverse Stränge aufspaltet, die erst spät wieder zusammengeführt werden, tut den Figuren überdies keinen Gefallen. Zum einen kommen die jungen Hauptcharaktere viel zu kurz, zum anderen kommt keine richtige Dynamik zwischen ihnen auf. Wie es dem Film insgesamt etwas an Dynamik fehlt. Einige Pointen – vor allem die Rededuelle zwischen dem Grafen und seinem Butler – zünden. Alles in allem bietet diese "abenteuerliche Reise", als die Lassies Heimweg im Untertitel bezeichnet wird, von allem zu wenig: zu wenig sympathische Figuren, zu wenig Humor und zu wenig Abenteuer.

Fazit: Die deutsche Version dieser altbekannten Kindergeschichte reicht an ihre Vorläufer nicht heran. Zwar sieht der Abenteuerfilm schön aus und ist prominent besetzt. "Lassie – Eine abenteuerliche Reise" ist aber auch zu unkonzentriert und arm an Höhepunkten erzählt und mit einem dürftig geschriebenen, unsympathischen Hauptcharakter ausgestattet.




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