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Black Christmas
Black Christmas
© Universal Pictures International

Kritik: Black Christmas (2019)

Kritiker-Bewertung: unterirdischschlechtmittelmässiggutweltklasse 2 / 5

Dem Remake-Wahn scheinen keine Grenzen gesetzt. Bob Clarks "Black Christmas" (1974), hierzulande auch als "Jessy – Die Treppe in den Tod" bekannt, erfuhr erst 2006 eine Neuauflage. Doch Glen Morgans Variation des clarkschen Weihnachtshorrors war weder gut besetzt noch gut umgesetzt und floppte bei Publikum und Kritik. Zeit also für den nächsten Versuch. Dieses Mal stammt er aus der Horrorschmiede Blumhouse und ist ähnlich kostengünstig wie seine Vorgänger produziert, wartet aber immerhin mit einem vielversprechenden Ensemble (Imogen Poots, Cary Elwes, Aleyse Shannon) und einem außergewöhnlichen Twist auf.

Verantwortlich zeichnet die vornehmlich als Schauspielerin tätige Sophia Takal. Mit ihren zwei bisherigen Regiearbeiten, den visuell verspielten, atmosphärisch dichten und femininen Thrillern "Green" (2011) und "Alway Shine" (2016), bot sich Takal geradezu an. Denn schon Clarks Original, das vielen neben Mario Bavas "Im Blutrausch des Satans" (1971) als Prototyp des Slasherfilms gilt, hat eine weitaus progressivere Heldin als viele seiner reaktionären Nachfolger.

Takal und ihre Co-Autorin April Wolfe bürsten den Slasherfilm gegen den Strich – oder versuchen dies zumindest. Zum einen bringen sie aktuelle Hochschuldebatten um Gleichberechtigung, Repräsentation, Trigger-Warnungen, Safe Spaces und die Date-Rape-(Un)-Kultur ein und das oftmals altbacken wirkende Subgenre damit auf den neuesten Stand. Zum anderen nehmen sie Verschwörungstheorien und männliche Allmachtsfantasien wörtlich und geben dadurch auch eine Prise Rape-and-Revenge-Film und Übernatürliches in ihren irren Mix.

Der Versuch scheitert leider krachend. "Black Christmas" ist zwar handwerklich solide inszeniert und ordentlich gespielt, dabei aber kein bisschen spannend oder gruselig. Innovativ ist lediglich die simple Idee, dass unterdrückte Frauen den Spieß einmal umdrehen. Doch das funktioniert weder als ernst gemeinter Beitrag zum Genre noch als überdrehte Parodie desselben. "Black Christmas" hätte das Potenzial zu einem vielschichtigen, das Patriarchat genüsslich sezierenden Slasherfilm gehabt, pendelt stattdessen aber halbherzig, platt und plump zwischen den zuvor erwähnten Polen.

Fazit: Dieses Remake gibt der Originalstory einen neuen, feministischen Twist, verschenkt dabei aber jede Menge Potenzial. Solide inszeniert und gespielt, herrscht ansonsten gähnende Langeweile. "Black Christmas" funktioniert weder als ernst gemeinter Genrebeitrag noch als Parodie.




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