VG-Wort

oder

Kritik: Vergiftete Wahrheit (2019)

Kritiker-Bewertung: unterirdischschlechtmittelmässiggutweltklasse 4 / 5

Der Schauspieler und Produzent Mark Ruffalo hat sich zu diesem juristischem Drama von einem Artikel im New York Times Magazine anregen lassen. Darin schilderte Nathaniel Rich im Jahr 2016, wie der Anwalt Robert Bilott gegen den Chemiegiganten DuPont vor Gericht zog. Nach langjährigem zähem Kampf setzte er Entschädigungen für kranke Bürger und Bürgerinnen von Parkersburg, West Virginia durch. Bilott bekam 2017 den Alternativen Nobelpreis, weil er die Umweltverseuchung durch eine gesundheitsschädliche Chemikalie bei der Herstellung von Teflon aufdeckte, für die Opfer stritt und sich weiter für die Regulierung gefährlicher Stoffe einsetzt.

Der künstlich hergestellte Stoff PFOA – Perfluoroctansäure – ist, wie der Abspanntext verrät, mittlerweile wahrscheinlich im Blut fast jedes Menschen auf der Welt zu finden. Er lässt sich nicht abbauen und ist seit 2020 in der EU verboten. Das spannende Drama, das Regisseur Todd Haynes ("I‘m Not There","Carol") inszeniert hat, verweist auf die globale Aktualität des Themas, denn laut Abspann sind Hunderte langlebige Chemikalien im Umlauf, die nur unzureichend kontrolliert werden.

Der Film nimmt sich Zeit, die Zermürbungstaktiken aufzuzeigen, die der lange Zeit übermächtige Gegner DuPont einsetzt. Immer wenn sich der Anwalt über einen Etappensieg freut, naht schon die nächste Ernüchterung. Der Film geht sehr sorgfältig auf die Hintergründe dieses Falls ein, auf die fehlende staatliche Aufsicht, auf die Angst der Betroffenen, gegen ein Unternehmen vorzugehen, das im Ort Arbeitsplätze sichert und Freizeitstätten baut.

Mark Ruffalo, der schon in "Spotlight" einen mit einer Enthüllung beschäftigten Charakter spielte, stellt Robert Bilott als ernsten, in sich gekehrten Mann dar. Seine leicht gebückte Haltung ist dem Druck geschuldet, den sich der Mann im Anzug selbst auferlegt, als er sich in den Fall vertieft. Robs Frau Sarah (Anne Hathaway) schwankt in typisch amerikanischer Manier zwischen Unterstützung für ihren Mann und dem Kummer einer Hausfrau, die die drei Söhne praktisch alleine großziehen muss. Dennoch wirkt das Drama bei der Schilderung der Charaktere und ihrer Beziehungen auf realitätsnahe Weise zurückgenommen. Es vertraut zu Recht auf die Spannung, die Robs Ermittlungen und den anderen puren Fakten innewohnt.

Fazit: Unter der Regie von Todd Haynes spielt Mark Ruffalo den real existierenden Anwalt Robert Bilott, der den Teflon-Umweltskandal beim Chemiekonzern DuPont aufdeckte. Das Drama schildert mit der Spannung eines Krimis, wie der Jurist über viele Jahre hinweg um den Nachweis kämpft, dass eine Fabrik und Mülldeponie in West Virginia die Gesundheit vieler Menschen schädigt. Die Charaktere wirken realitätsnah und geerdet, vor allem beeindruckt Ruffalos uneitles Spiel eines Mannes, der sich mit Haut und Haar seiner Arbeit verschreibt. Dem Hauptdarsteller gelingt wie dem ganzen Film der Beweis, dass es möglich ist, ein kompliziertes Thema unterhaltsam und lehrreich zu beackern.






Spielfilm.de-Mitglied werden oder einloggen.