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Out of Play - Der Weg zurück
Out of Play - Der Weg zurück
© Warner Bros.

Kritik: Out of Play - Der Weg zurück (2020)

Kritiker-Bewertung: unterirdischschlechtmittelmässiggutweltklasse 5 / 5

Der Plot klingt zugegeben schlimm schablonenhaft und generisch, und es gibt wahrlich genügend bessere und schlechtere Säufer-Dramen aus Hollywood, was die Frage aufwirft, ob und warum dieses Werk wirklich notwendig war bzw. warum man sich das ansehen sollte. Die Antwort besteht aus 3 Punkten: 1. Ebenjene einfache Story, die viel Raum für hervorragendes Schauspiel und subtile Emotion gibt; 2. Die angenehm zurückgenommen Inszenierung, die dieses Schauspiel leitet; 3. Ben Affleck, der mit seiner nuancierten Darstellung für das großartige Schauspiel und viele berührende Momente verantwortlich ist, ohne ins Melodramatische zu kippen.

Der Plot, basierend auf dem Drehbuch von Brad Ingelsby, hört sich zwar wenig einfallsreich an, während dem Schauen fällt das aber nicht negativ auf. Vielmehr bietet es das Gerüst, auf dem ein ausgezeichnet funktionierender und in sich stimmiger Film gebaut wird. Auch die Dialoge sind gut geschrieben, und insbesondere die Figuren sind äußerst sympathisch und lebensnah gestaltet, sodass "Out of Play" zu keinem Zeitpunkt wie eine "Kopie" oder ein unnötiger Abklatsch wirkt. Regisseur Gavin O'Connor macht insofern einen guten Job, als er den Protagonisten (=seinen Darstellern) viel Raum zur Entfaltung gibt und sich meist nobel zurückhält. Auch der Score erfüllt seinen Zweck, die vielen emotionalen Szenen zu verstärken: Insgesamt erinnert das Ganze nicht nur einmal an die Arbeit von Regie-Ikone Clint Eastwood, die sich auch meist durch eine charakterfokussierte und minimalistische Erzählweise auszeichnet, ganz nach dem Motto: Weniger ist mehr.

Und das gilt auch für das überragende, in der Qualität durchaus überraschende und dabei äußerst subtile Schauspiel von Ben Affleck, der hier wahrlich "den Weg zurück" findet: In einem Corona-bedingt bisher äußerst dünnen Filmjahr sollte wohl eine Oscar-Nominierung winken. Man nimmt ihm seine Darstellung des von Dämonen geplagten, aber herzensguten Jack in jedem Moment ab, was wohl auch damit zu tun hat, dass er sich in gewisser Weise selbst spielt: Schon mehrfach war über Alkoholprobleme des Hollywood-Mimen berichten worden, und der letzte "Absturz" erfolgte knapp vor den Dreharbeiten zu "Out of Play", inklusive folgender (und offenbar erfolgreich absolvierter) rehab.

Fazit: Ein Film, der sich aufs Wesentliche konzentriert: Einfache, aber bewegende Story, zurückgenommene Inszenierung, großartiges Schauspiel - zumindest als Schauspieler hat Ben Affleck mit "Out of Play" den Weg zurück in die A-Liga Hollywoods geschafft. Sehenswert!




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