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Kritik: Space Dogs (2019)

Kritiker-Bewertung: unterirdischschlechtmittelmässiggutweltklasse 3 / 5

Einer der ungewöhnlichsten Dokumentarfilme des Jahres ist eine österreichisch-deutsche Koproduktion und wurde auf den Straßen Moskaus realisiert. Das Regieduo Elsa Kremser und Levin Peter entführt sein Publikum in die Welt der Straßenhunde. Nebenbei erzählt es vom Schicksal tierischer Raumfahrer auf poetisch-essayistische Weise.

Die große Stärke von "Space Dogs" ist denn auch seine berückende Form. Während die russische Schauspielgröße Aleksey Serebryakov ("Leviathan", "McMafia") dem Film ihre Stimme leiht und als allwissender Erzähler aus dem Off auftritt, streift Yunus Roy Imers agile Kamera durch Moskau – immer auf Augenhöhe mit den Straßenhunden. Dabei gelingen ihm Einstellungen voller Zärtlichkeit, aber auch voller Brutalität, etwa wenn einer der Hunde eine Katze totbeißt und dabei fast schon teilnahmslos wirkt.

In diese Bilder des harten Straßenlebens mischen Kremser und Peter bislang unveröffentlichtes Archivmaterial des sowjetischen Weltraumprogramms. In Kombination mit dem lyrischen Off-Kommentar und den rauen Alltagsszenen stellt sich eine beinahe schwerelose Atmosphäre ein, die mehr an einen Traum als an einen Dokumentarfilm erinnert.

Im internationalen Festivalzirkus kam diese Mischung gut an. "Space Dogs" war weltweit bei mehr als 40 Festivals zu sehen und wurde sowohl in Locarno als auch in Wien gleich mit jeweils zwei Preisen bedacht. Doch die überwältigende Form kann den dünnen Inhalt und die Längen nie ganz kaschieren.

Fazit: "Space Dogs" schlägt das Kapitel Raumfahrt unter einem bislang vernachlässigten Gesichtspunkt noch einmal auf. Dabei ist der Film stets ein wenig mehr poetischer Essay als Dokumentation. Die beeindruckende Form kann die inhaltliche Leere und die erzählerischen Längen allerdings nicht verdecken.




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