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oder
Irresistible
Irresistible
© Universal Pictures International

Kritik: Irresistible - Unwiderstehlich (2020)

Kritiker-Bewertung: unterirdischschlechtmittelmässiggutweltklasse 4 / 5

Viel ist nach dem überraschenden Sieg von Donald Trump bei der Präsidentschaftswahl 2016 über die unterschätzte Protestwählerschaft der ländlichen Regionen die Rede gewesen. Indem sie diesem Kandidaten der Republikaner ihre Stimme gaben, straften viele Bewohner des Mittleren Westens die Demokratische Partei ab. Von ihr und ihrer allzu sehr auf die großen Küstenstädte zentrierten Politik fühlten sich die Verlierer des wirtschaftlichen Wandels nämlich schon lange im Stich gelassen.

In der pfiffigen Politsatire des Regisseurs Jon Stewart ("Rosewater") geraten die Provinzbewohner nun endlich ins Visier der Washingtoner Parteistrategen. Die intelligente Komödie stellt zugleich Grundsatzfragen über das politische System, in dem Wahlkämpfe regelmäßig zur finanziellen Schlacht geraten, die sich verselbstständigen kann.

Dabei sieht es anfangs, als die beiden Washingtoner Parteistrategen Gary und Faith vorgestellt werden, so aus, als handele es sich um eine weitere Komödie über die ach so tollen Tricks und Winkelzüge zweier sich bekriegender Karrieremenschen. Stewart aber, der sich bereits mit politischer Satire im Fernsehen ("The Daily Show") einen Namen machte, ist nicht an Unterhaltung interessiert, die lediglich cool aussieht. Gary erlebt als zynischer Großstadtmensch in Deerlaken eine Art Kulturschock. Alle Menschen grüßen ihn auf der Straße, die Bäckerin schenkt ihm herrlichen Kuchen und wenn er mal nicht auf seine Wortwahl achtet, verstört er die Umstehenden schnell.

Steve Carell spielt Gary als ehrgeizigen Macher und Manipulator, der sein größtes Problem darin sieht, die Naivität und Gemütlichkeit der Kleinstadtbewohner zu ertragen. Diese stehen ihm als sympathisches Ensemble gegenüber, das gerne von ihm lernt. Chris Cooper spielt den Kandidaten Jack als hemdsärmeligen Landwirt, der nicht viel redet, Mackenzie Davis überzeugt als seine aufgeweckte Tochter Diana, die sich zur tüchtigen Wahlkampfhelferin entwickelt.

Es ist köstlich, wie Jack unter Garys Anleitung in Werbespots und Interviews zum nationalen Helden hochstilisiert wird, über den die großen TV-Sendungen berichten. Je mehr sich Gary ins Zeug legt, desto hohler und abgehobener wird der ganze Zirkus. So lernt man in diesem vergnüglichen Film schon vor der überraschenden Schlusspointe viel über die fragwürdigen Prinzipien amerikanischer Wahlkämpfe.

Fazit: Die politische Satire von Regisseur Jon Stewart über eine zum Prestigeprojekt der amerikanischen Bundesparteien aufgeblähte Bürgermeisterwahl in der Provinz bereitet bissiges Vergnügen. Steve Carell spielt mit bewährtem komödiantischen Talent einen ehrgeizigen Washingtoner Wahlkampfstrategen der Demokratischen Partei, der eine republikanische Kleinstadt politisch umkrempeln will. Der kostspielige Wahlkampf lenkt die Aufmerksamkeit der Fernsehnation auf den Ort in Wisconsin und Stewart nutzt die Handlung geschickt, um die Schwächen eines politischen Systems zu entlarven, das sich zu wenig um die wahren Nöte der Menschen kümmert.




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