oder
Generation Beziehungsunfähig
Generation Beziehungsunfähig
© Warner Bros.

Kritik: Generation Beziehungsunfähig (2021)

Kritiker-Bewertung: unterirdischschlechtmittelmässiggutweltklasse 3 / 5

Kolumnist und Schriftsteller Michael Nast traf mit seinem Buch "Generation Beziehungsunfähig" Mitte der zehner Jahre den Nerv der Zeit. Ursprünglich handelte es sich dabei um eine Online-Kolumne, aus der aufgrund des großen Erfolgs aber schließlich ein ganzes Buch entstand. Es führte etliche Wochen die "Spiegel"-Beststellerliste an und wurde bis heute in neun Sprachen übersetzt. Die Regisseurin der Verfilmung, Helena Hufnagel, wurde 2017 mit der Komödie "Einmal bitte alles" bekannt.

"Generation Beziehungsunfähig" ist garantiert kein Film, der das Genre der romantischen Komödie neu erfindet. Handlungsverlauf und Dramaturgie sind nach gängigem Muster gestrickt. Auch komplexe oder reflektierte Überlegungen oder Herangehensweisen an die Themen Beziehung, Geschlechterkampf und Liebe sucht man vergebens. Dafür punktet der Film mit seiner frischen Erzählweise und den augenzwinkernden Verweisen sowie Anspielungen, die exakt an das Sujet und die Kernaussagen andocken: Die unter-35-Jährigen sind nicht mehr in der Lage, echte, ernst zu nehmende und auf Dauer angelegte Bindungen einzugehen.

Sie feiern ihre Ungebundenheit und die Kürze der Affären. Genau darauf spielt die Komödie schon in ihrer Länge an: Mit nur 80 Minuten Laufzeit ist "Generation Beziehungsunfähig" recht knapp gehalten. Zeit für Tiefgründigkeit und um die Motivationen der Figuren näher zu betrachten und auszuloten bleibt da keine. Aber exakt dieses Gehetzte, Getriebene und eben nicht auf Dauer angelegte spiegelt sich ebenso im Verhalten und Beziehungsleben - besser: in den Affären - der Protagonisten wieder.

Genüsslich nimmt Regisseurin Hufnagel die Klischees und Vorurteile rund um die Generation Y und deren Liebesleben aufs Korn: Von der Art und Weise, wie Männer tindern über die - nur scheinbar - hohe Bedeutung von flüchtigem Sex, der Angst vor klammernden Partnern und Frauen, die die Feminismus-Flagge hochhalten und beim ersten Date darauf beharren, dass der Mann gefälligst das Bier zu zahlen hat. Hinzu kommt, dass alle Darsteller ihre Rollen mit großer Lust und sehr ambitioniert ausfüllen. Allen voran die Hauptdarsteller Frederick Lau und Luise Heyer, als um sich selbst kreisende Endzwanziger, die nicht zugeben können, dass sie sich insgeheim nach Beständigkeit und einer richtigen Beziehung sehnen.

Fazit: Aus dem eng gesteckten Rahmen der Vorlage holt der dramaturgisch überraschungsarme Film das Beste raus: Die stimmige Balance aus gut getimter Comedy und wohl dosierter Sentimentalität überzeugt dabei ebenso wie das Spiel mit den sich hartnäckig haltenden Klischees rund um die Generation Y.




Spielfilm.de-Mitglied werden oder einloggen.