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Weihnachten im Zaubereulenwald
Weihnachten im Zaubereulenwald
© Just Bridge Entertainment

Kritik: Weihnachten im Zaubereulenwald (2020)

Kritiker-Bewertung: unterirdischschlechtmittelmässiggutweltklasse 4 / 5

Dieser Familienfilm aus Estland stammt zwar schon aus dem Jahr 2018, stellt aber auch heute eine ausgesprochen reizvolle Bereicherung des saisonalen Kinoprogramms dar. Die Regisseurin Anu Aun, die auch das Drehbuch geschrieben hat, hat eine Geschichte inszeniert, die die Wünsche von Kindern ernst nimmt und in Erfüllung gehen lässt. Weihnachtliche Stimmung, Realitätsnähe und Naturverbundenheit gehen eine geglückte Kombination ein, in der nichts aufgesetzt wirkt. Dabei fangen die Weihnachtsferien für die zehnjährige Hauptfigur Eia so traurig an: Die Eltern müssen verreisen und sie streiten, weil der Vater gar nicht will, dass Eia zu Ott gebracht wird. Aber draußen im verschneiten Wald entdeckt sie nicht nur, dass sie einen Großvater hat, sondern auch eine fröhliche Gemeinschaft, in der sie aufblüht.

Wenn Eia aus dem gemütlichen Holzhaus des Großvaters tritt, steht sie mitten in der Natur: Eichhörnchen, Singvögel, Hirsche, ein Elch begegnen ihr, in der Ferne ist abends Wolfsgeheul zu vernehmen. Eia zeichnet, was sie beobachtet, und auch andere Menschen in ihrer Umgebung interessieren sich für die Tierwelt. Der Film vermittelt echte Faszination für die Natur, die mit Wissensdurst verbunden ist. Es ist keineswegs selbstverständlich, dass der für die Geschichte wichtige Bartkauz auch tatsächlich als solcher im Bild erscheint. Einem Film, dem Tierkunde weniger wichtig gewesen wäre, hätte es auch passieren können, fälschlich oder gleichgültig einen Uhu, Waldkauz, oder eine Schleiereule zu filmen. Eia lernt mit ihren neuen Freunden, wie Bartkäuze nisten und welche Zeichen auf die Nähe eines Brutplatzes hinweisen. So bekommt das Umweltthema ein konkretes Fundament und bleibt nicht bloß Alibi für filmische Aktualität.

Auch das Thema der Familien, in denen Kinder viel allein sind, oder die sich trennen und neu zusammensetzen, wirkt nicht pädagogisch gewollt. Der Film behandelt es als Realität, befreit aber zugleich den kindlichen Wunsch nach einem traditionellen Weihnachtsfest aus dem Reich der Bilderbücher. Eia feiert und singt mit ihren neuen Freunden und Verwandten, bäckt mit ihnen Plätzchen, läuft Schlittschuh, erlebt familiäre Geselligkeit. In der verschneiten Landschaft setzen eine rote Mütze, ein grüner Wassereimer reizvolle farbige Akzente. Die zauberhafte Stimmung dieses Films kommt ohne Kitsch und Rührseligkeit aus.

Fazit: Dieser reizvolle Weihnachtsfilm aus Estland kombiniert moderne Themen wie Naturschutz und Familien unter Zeitstress mit den Abenteuern eines Mädchens in einer fröhlichen ländlichen Gemeinschaft. Die Regisseurin und Drehbuchautorin Anu Aun versteht es, eine zauberhafte und lustige Stimmung voller weihnachtlicher Freuden zu erschaffen, ohne die Realität aus den Augen zu verlieren. Kinder wünschen sich nicht nur soziale Geborgenheit in einem naturnahen Umfeld, wie es traditionelle Weihnachtsbücher ausmalen. Der charmante, sehr gelungene Film nimmt auch ihr Interesse an genauem Wissen über die Natur und ihre Bewohner ernst.




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