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Blackbird - Eine Familiengeschichte
Blackbird - Eine Familiengeschichte
© Leonine Distribution

Kritik: Blackbird - Eine Familiengeschichte (2019)

Kritiker-Bewertung: unterirdischschlechtmittelmässiggutweltklasse 3 / 5

Über den Sinn von Remakes erfolgreicher Filme lässt sich immer wieder streiten, so auch in diesem Fall. Unter der Regie von Roger Michell ("Notting Hill") ist eine auf das amerikanische Filmpublikum zugeschnittene Neuverfilmung der Sterbehilfe-Geschichte entstanden, die das dänische Drama "Silent Heart – Mein Leben gehört mir" von Bille August 2014 erzählte. Christian Torpe adaptierte für das Remake sein eigenes Originaldrehbuch. Der hochkarätig besetzte Ensemblefilm "Blackbird" schildert, wie die kranke Lily auf einer improvisierten Weihnachtsfeier in ihrem Haus Abschied von ihren Lieben nimmt, weil sie begleiteten Suizid begehen will.

Leider wird der dramatische Gehalt des Themas unter einer dicken Schicht Wohlgefühl ziemlich gründlich begraben. Das gediegene, edle Ambiente übernimmt praktisch die Regie, um eine Atmosphäre zu erzeugen, die die Anwesenden zu entspanntem Genuss auffordert. Lily und Paul sitzen im hellen Wohnzimmer, das ihre moderne und freigeistige Einstellung und ihre trendige Naturverbundenheit spiegelt: gestapelte Holzscheite vor dem Kamin, farbenfrohe Gemälde an den Wänden. Der Hausherr serviert guten Wein, wenn er nicht gerade wieder das Gemüse im Garten und Gewächshaus inspiziert. Wenn Susan Sarandon als Lily dann noch ihr sonnig-liebevolles Lächeln aufsetzt, wirkt die Kombination von Weihnachtsparty und anschließendem Todestrunk kaum noch sperrig.

Lily ist krank genug, um einmal ein Glas fallen zu lassen und die Treppen nur noch mit Mühe steigen zu können. Aber weil sie immer noch wundervoll aussieht und ohne Beeinträchtigung sprechen kann, verdirbt sie niemandem die Unterhaltungslaune. Es ist schon recht enttäuschend, wie trotz namhafter Darsteller und Darstellerinnen im Ensemble kaum Spannung aufkommt und einen die Handlung emotional nicht richtig zu packen vermag.

Dabei gibt es schon einige ganz realitätsnah beobachtete Momente, etwa wenn die kontrollierend und geschäftig auftretende Tochter Jennifer unter dem geschmückten Weihnachtsbaum noch schnell staubsaugen muss. Aber sobald ein Konflikt dingfest wird im mal bemühten, mal gelöst-heiteren Geplänkel, wird er auch schon mit ein-zwei Federstrichen regelrecht erledigt.

Fazit: Regisseur Roger Michells Remake des dänischen Sterbehilfe-Dramas "Silent Heart – Mein Leben gehört mir" vereint in seinem Schauspielerensemble Stars wie Susan Sarandon, Kate Winslet, Mia Wasikowska. An einem gemeinsamen Wochenende nehmen die Familie und die beste Freundin Abschied von der kranken Lily, die nicht mehr leiden, sondern für immer einschlafen will. Die aufkeimenden Spannungen in der achtköpfigen Gruppe und die Gefühle von Schmerz und Trauer werden sowohl von den um gute Laune bemühten Charakteren selbst, als leider auch von der Inszenierung allzu gründlich in Schach gehalten. Das stilvolle Haus an der amerikanische Ostküste schafft eine Atmosphäre des Wohlgefühls, vor der selbst das Gewicht des Todesthemas kapitulieren muss.




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