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David Copperfield - Einmal Reichtum und zurück
David Copperfield - Einmal Reichtum und zurück
© Paramount Pictures Germany © eOne Germany

Kritik: David Copperfield - Einmal Reichtum und zurück (2020)

Kritiker-Bewertung: unterirdischschlechtmittelmässiggutweltklasse 3 / 5

Der 1850 veröffentlichte Roman "David Copperfield" zählt zu den berühmtesten Werken des britischen Schriftstellers Charles Dickens. Die Geschichte des Titelhelden trägt aufgrund seiner schweren Kindheit und der Kluft zwischen Arm und Reich im viktorianischen Zeitalter ernste und sozialkritische Züge. Aber die Erlebnisse und Begegnungen des Helden mit Leuten aus weit auseinanderliegenden sozialen Schichten sind zugleich von feinem Humor durchzogen. Auf diesen Umstand verweist Armando Iannuccis ("The Death of Stalin") Verfilmung, indem sie den Stoff in eine leichtfüßige Komödie verwandelt.

Wie im Roman tauchen eine Menge Charaktere auf, die liebevoll, lieblos, verschlagen, exzentrisch, schrullig sein können und den Titelhelden in Staunen versetzen. Mal ist David Copperfield glücklich, dann stürzt er in große Not, bevor sich gutherzige Personen wieder seiner annehmen und ihn auf seinem Weg begleiten, der dennoch alles andere als gesichert ist.

Drei markante Eigenschaften prägen diesen ideenreich inszenierten Film. Erstens verwebt er gut gelaunt Realitätsebene und Fantasie – zum Beispiel greift mitten in eine fröhliche Szenerie, die der kleine David bei den Verwandten der Haushälterin Peggotty (Daisy May Cooper) genießt, eine riesige Hand durch das Hausdach direkt nach dem armen Jungen. So brutal ruft sich der Stiefvater in Copperfields Geist in Erinnerung. Zweitens sind die Rollen divers besetzt – weiße und nicht-weiße Schauspieler*innen können sogar in Eltern-Kind-Kombinationen auftreten, die hinsichtlich der Hautfarbe gar nicht möglich wären. Drittens herrscht eine ausgelassene Atmosphäre, in der die meisten Charaktere wie Übertreibungen ihrer selbst auftreten.

Man sieht Dev Patel und den meisten anderen Darsteller*innen gerne zu, auch wenn die Charaktere selten wie aus Fleisch und Blut wirken. Die differenzierte Art, wie Dickens seine Romanfiguren schilderte, fällt im Film unter den Tisch. Die Komik nutzt sich mit zunehmender Dauer merklich ab, wie das auch bei Iannuccis bissiger Sowjet-Satire "The Death of Stalin" der Fall war. Für echte Spannung hätte es mehr Substanz gebraucht in diesem bunten, fröhlichen Kostümfilm.

Fazit: Armando Iannuccis filmische Interpretation von "David Copperfield" betont konsequent und mit beschwingtem Stilwillen den Humor, der den Romanklassiker von Charles Dickens durchzieht. Der von Dev Patel gespielte Titelheld hält als Schriftsteller Rückschau auf seine bewegten jungen Jahre und das bunte Völkchen, das seinen Weg kreuzte. Die Charaktere spiegeln die großen sozialen Unterschiede im viktorianischen Zeitalter, doch der filmische Blick richtet sich auf das Lustige und Liebenswerte, das es fast überall zu entdecken gilt. Die verspielte Heiterkeit steht dem Kostümfilm gut, aber sie vermag auf Dauer die anfängliche Spannung nicht zu halten.





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