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Raya und der letzte Drache
Raya und der letzte Drache
© Walt Disney Studios Motion Pictures Germany

Kritik: Raya und der letzte Drache (2021)

Kritiker-Bewertung: unterirdischschlechtmittelmässiggutweltklasse 3 / 5

Auf manche Dinge ist bei den Animationsfilmen aus dem Hause Disney Verlass. Oft geht es um Prinzessinnen, die Titelheldin Raya und ihre Rivalin Namaari sind auch welche. Und gerne wird mit der Handlung hin und wieder ein Ausflug in andere Kulturen als die der Weißen in der westlich geprägten Welt unternommen. Zum ersten Mal geht es nun an südostasiatisch inspirierte Schauplätze, nach einem Drehbuch von Qui Nguyen und Adele Lim ("Crazy Rich"). In der Fantasygeschichte stehen Drachen für das Glück und die Lebenskraft, die sie in den Mythen dieses Kulturraums oft verkörpern. Einst lebten Drachen und Menschen im blühenden Reich Kumandra, doch Zwist unter den Menschen beschwor die zerstörerischen Druun und den Zerfall des Reiches herauf. Raya möchte Kumandra wieder vereinen, mit Hilfe des letzten lebenden Drachens und seiner magischen Kraft.

Wer mag, kann aus der Geschichte, die von Don Hall ("Baymax – Riesiges Robowabohu") und Carlos López Estrada ("Blindspotting") inszeniert wurde, sogar einen Appell an globalen Klimaschutz herauslesen. Die guten Drachen stehen für das Leben spendende Element Wasser, damit sie wiederkehren, müssen die Menschen an einem Strang ziehen und einander vertrauen. Auch mit den jugendlichen Frauenfiguren in den starken, kämpferischen Hauptrollen mutet der Film zeitgemäß an. Andererseits aber lassen auch Fantasykitsch und actionlastige Beliebigkeit grüßen. Der Drache Sisu ist mit türkisfarbenem Fell wie aus dem Polyesterparadies ausgestattet. Nicht nur die zum Teil neonbunte Farbenpracht, auch die Mission, ein zerfallenes Land wieder zu einen und die guten Drachen zurückzuholen, erinnern an "Bayala – Das magische Elfenabenteuer". Nimmt die tapsige Sisu Menschengestalt an, ist sie eine junge Frau. Sisu, Raya und Namaari ersetzen jedoch im Grunde lediglich traditionell männlich besetzte Charaktere. Während Raya und ihre Begleiter die vier Länder bereisen, müssen sie viel Action im Stil der "Indiana Jones"-Filme absolvieren. Für emotional bewegende Momente, eine tiefere Charakterzeichnung bleibt da wenig Zeit.

Das ist ein wenig schade, denn trotz der schwurbeligen Fantasyhandlung sind die Schauplätze interessant und abwechslungsreich gestaltet. Raya liefert sich eine Verfolgungsjagd mit einer Gaunertruppe, zu der das kampflustige Baby Little Noi gehört. Es ist die wohl überraschendste Nebenfigur und sorgt wie auch Tuk Tuk, den an ein Gürteltier erinnernden Sidekick Rayas, für humorvolle Momente. Zu bezaubern aber vermag diese ganze Vielfalt selten.

Fazit: Das von südostasiatischer Kultur inspirierte Fantasyabenteuer aus dem Hause Disney bietet Action mit kriegerischen Prinzessinnen und einem türkisfarbenen Drachen. Mit diesem Bekenntnis zu Diversität und starken Frauenrollen wirkt die filmische Reise durch verfeindete Länder, die geeint werden müssen, auf der Höhe der Zeit. Aber trotz farbenprächtiger Schauplätze und zum Teil lustiger Nebenfiguren wird die Geschichte hurtig abgespult, ohne einen bleibenden Eindruck zu hinterlassen.




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