oder
Beckenrand Sheriff
Beckenrand Sheriff
© Leonine Distribution

Kritik: Beckenrand Sheriff (2020)

Kritiker-Bewertung: unterirdischschlechtmittelmässiggutweltklasse 3 / 5

Marcus H. Rosenmüller ("Sommer in Orange") genießt einen hervorragenden Ruf als Regisseur lebensnaher bayerischer Heimatfilme und -komödien. Marcus Pfeiffer, der Autor seiner neuen, in der bayerischen Provinz spielenden Komödie, hat für das Drehbuch den Tankred-Dorst-Preis erhalten. Da kann dann wohl nichts mehr schiefgehen, oder? Die Geschichte gleicht einem Sammelsurium von Themen und Ideen, die sich irgendwie zu einer lustigen Unterhaltung zusammenfügen sollen. Manchmal gelingt das und im Verlauf sogar immer besser. Es gibt etwas zu lachen und die peinlich überdrehten Slapstickeinlagen des Anfangsteils erübrigen sich glücklicherweise bald von selbst. Es geht im Kern um den Begriff Heimat, aber nicht so sehr nur im Sinne eines Heimatfilms, sondern als Feststellung, dass man überall heimisch werden kann, wo man sich einbringt, Erfüllung und Freunde findet.

Reizvoll ist die Romanze zwischen Karl und der Trainerin der Wasserballmannschaft. Johanna Wokalek spielt diese Silke Wilhelm, die mit Karl die Vorliebe für Puzzles und Ordnung teilt, mit Haut und Haar und einem lustvoll ironischen Lächeln. Dabei persifliert sie auch Klischees aus dem Sportfilmgenre, wie die motivierende Ansprache vor dem Wettkampf. Milan Peschel nimmt man den Stress, den sein Charakter Karl verspürt, jederzeit ab. Stress kann bei ihm schon eine verrutschte Liege erzeugen, also sind ihm Menschen zu eigenwillig. Es gibt immer wieder gelungene Situationskomik, bei der es dann auch ab und zu bayerisch werden kann. Der zugereiste Karl beherrscht den Dialekt nicht, aber die Männer der Wasserballmannschaft schon eher und die großartige Gisela Schneeberger, die als Bürgermeisterin wieder einmal eine umtriebige Strippenzieherin spielt, redet mit landestypischem Akzent. Wie schon in Rosenmüllers "Wer früher stirbt ist länger tot" gibt es auch hier lustige Verweise auf die Kraft des Himmels oder zumindest des Glaubens, gepaart mit einer Prise magischem Realismus.

Aber ein großer Wurf wird daraus nicht. Männer beim Wassersport haben sich in Filmen als lustig bewährt, unachtsame Väter als dramatisch verwertbar. Also muss beides vorkommen. Die Macht des Naturschutzes über das Baurecht soll eine Pointe liefern und Salis Not als Flüchtling nicht unter den Tisch fallen. Das wirkt wie nach dem Baukastenprinzip zusammengestellt. Dennoch hat die Komödie ihren Charme, nämlich wiederholt gute Dialogzeilen, spaßige Zweiersituationen und auch mal solche, die das Herz berühren.

Fazit: Seit Jahrzehnten vergällt der penible Schwimmmeister Karl den Menschen in einer bayerischen Gemeinde den Spaß im Freibad. Aber als es geschlossen werden soll, schlägt seine große Stunde. Mit Milan Peschel, Johanna Wokalek und Gisela Schneeberger stimmig besetzt, sorgt diese Komödie von Regisseur Marcus H. Rosenmüller immer wieder für vergnügliche Momente. Das Drehbuch von Marcus Pfeiffer ähnelt einer Wundertüte voller Ideen, aber vom überdrehten Slapstick bis zum Flüchtlingsdrama ist für einen runden Eindruck zu viel drin.




Spielfilm.de-Mitglied werden oder einloggen.